Kontrolliertes Zuwarten ist eines der häufigsten Mittel, um Auffälligkeiten in der Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung abzuklären. Dabei werden HPV-Test oder Pap-Abstrich nach einem bestimmten Zeitraum wiederholt. Für viele Frauen bedeutet dieses Vorgehen eine unklare Situation. Eine neue Studie zeigt die psychische Belastung in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge auf. Die Ergebnisse der wissenschaftlich gestützten Befragung wurden nun in der Fachzeitschrift Archives of Gynecology and Obstetrics, des Springer Medizinverlags veröffentlicht.

Die Kernaussagen der Studie zeigen psychische Belastung auf:

  • Ein auffälliger Pap-Befund gibt noch keinen sicheren Hinweis auf eine Krebserkrankung. Dennoch sind viele betroffene Frauen stark besorgt, an Krebs zu erkranken. Knapp die Hälfte der Betroffenen gaben sogar an, in Sorge zu sein, an Gebärmutterhalskrebs sterben zu können.
  • Mehr als die Hälfte der befragten Frauen gaben an, länger als ein Jahr in der Abklärung gewesen und 2-5 Befunde gehabt zu haben. Somit befanden sie sich auch mehr als ein Jahr in Unklarheit über ihren Gesundheitszustand – bei entsprechend hoher psychischer Belastung!
  • Besonders stark psychisch belastet waren Frauen mit Kinderwunsch. Auffällige Befunde in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge hatten bei jeder vierten Frau Auswirkungen auf die Familienplanung.
  • Die psychische Belastung in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge kann zu Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung führen.

Statement: Psychische Belastung in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge muss Beachtung finden

Co-Autoren der Studie sind oncgnostics-Geschäftsführer Dr. Alfred Hansel und Dr. Martina Schmitz. Die Biochemikerin zieht aus den Ergebnissen der Studie deutliche Schlüsse: „Die Untersuchungsmethoden zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs haben ihre Grenzen. Eine Auffälligkeit beim Pap-Abstrich bedeutet genauso wenig automatisch eine Krebserkrankung wie eine Infektion mit humanen Papillomviren. Denn sowohl die Gewebeauffälligkeiten, die im Pap-Abstrich zu erkennen sind, als auch die Infektion mit HPV heilen meist von selbst. Daher warten die Ärzte bei entsprechendem Befund ab, ob dieser bei der nächsten Untersuchung noch immer vorliegt. Die psychische Belastung, die dieses Abwarten bis zum nächsten Termin bei den betroffenen Frauen erzeugt, belegt die nun veröffentlichte Studie. Zwei Schlüsse lassen sich daraus besonders ziehen: (1) es bedarf viel mehr Aufklärung, was auffällige Befunde bzw ein positiver HPV-Test wirklich bedeuten; (2) wir brauchen eine wesentlich bessere, genauere Diagnostik, um diese psychische Belastung durch unklare Befunde erst gar nicht entstehen zu lassen.“

Digitale Pressekonferenz
Vorstellung der Studie zur psychischen Belastung in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge
06.08.2020
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