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Unser Laboralltag in Coronazeiten

Wie sieht der Alltag im Labor bei oncgnostics aus? Bereits 2018 gaben wir einen Einblick in unsere Arbeitsstätte, in der wir tüfteln, entwickeln, produzieren und analysieren. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie veränderten sich auch bei uns die Arbeitsabläufe. Zum heutigen Welttag des Labors zeigen wir, wie die Abläufe aktuell gestaltet sind.

Die Nachfrage nach unseren GynTect® Diagnostik-Kits zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs hat sich seit 2018 deutlich erhöht und es wurde mehr produziert. Ebenso stieg der interne Verbrauch der GynTect® Kits, denn wir bieten unseren KundInnen Inhouse-Analysen an. Zum anderen geben wir trotz der besonderen Umstände StudentInnen weiterhin die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit bei uns zu schreiben. Auch hierfür kommen GynTect® Kits zum Einsatz.

Zurzeit besteht das Laborteam aus sechs MitarbeiterInnen mit wechselnder Besetzung, um Hygienevorschriften und Abstände einhalten zu können. Alle MitarbeiterInnen sind vor Ort gleichermaßen in der Produktion, in der Forschung und Entwicklung (F&E) und im PCR-Labor tätig.

Arbeiten in Zeiten von Corona

Allgemein hat jede/r aus dem Team zwei feste Präsenztage pro Woche, sodass im Falle einer Infektion nicht die ganze Firma in Quarantäne muss. Außerdem testet sich jede/r zu Beginn der Woche mit einem Corona-Schnelltest.

Am Arbeitsplatz gelten die allgemeinen Hygienemaßnahmen: Hände waschen, Abstand halten, Maske tragen und lüften. Außerdem desinfizieren wir regelmäßig die Türklinken und Telefone, die wir gemeinsam nutzen. Vor allem beim Mittagessen merken wir, dass sich unser Alltag geändert hat: Wir halten Abstand oder essen getrennt voneinander.

Wer nicht zwingend praktisch zu tun hat, meidet trotz aller Hygienemaßnahmen die Räumlichkeiten vor Ort und bleibt im Home-Office. So verlagern sich Tätigkeiten wie die Planung von Versuchen und Auswertung von Experimenten in die Heimarbeit. Wir sind diesbezüglich mittlerweile eingespielt. Die Kommunikation ist dadurch nicht abgerissen, da wir Meetings nun virtuell über unsere Gruppen-Tools halten und regelmäßig telefonieren.

Alltag im Labor: Absprachen sind das A und O

Unter den aktuellen Corona-Bedingungen sind Absprachen wichtiger denn je: Auf 10m2 darf sich nur eine Person bewegen. Das bedeutet, dass sich zurzeit nur drei Personen gleichzeitig den Raum für F&E aufhalten dürfen. Gleiches gilt für das Produktionslabor. Falls doch mehr Personen praktisch tätig sein müssen oder während der Produktion den Abstand nicht gewahrt werden kann, tragen wir Masken.

Normalerweise gibt es feste Sitzplätze im F&E-Labor. Obwohl das Labor grundsätzlich genug Platz für paralleles Arbeiten bietet, sprechen wir uns im Vorfeld immer ab, um eine Überbelegung zu vermeiden. Damit alle ihre geplanten Labortätigkeiten vor Ort durchführen können, ist eine gute Kommunikation nötig. Dazu gehört zum Beispiel die Organisation der Belegung von Laborgeräten, was reibungslos klappt.

Die coronabedingten Hygienemaßnahmen erschweren die Abläufe im PCR-Labor

Im PCR-Labor waren die Sicherheitsvorkehrungen unabhängig von Corona schon immer sehr streng. Hat eine Kollegin beispielsweise das PCR-Labor einmal betreten, so darf sie an diesem Tag nicht mehr in das Produktionslabor. Das liegt daran, dass im PCR-Labor die DNA-Vervielfältigung der Biomarker stattfindet. Diese DNA darf auf keinen Fall mit den Komponenten und Chemikalien, die bei der Herstellung von GynTect® im Produktionslabor zum Einsatz kommen, in Berührung kommen. Es besteht hier Kontaminationsgefahr. Mit dieser Regelung werden also die im Produktionslabor hergestellten GynTect® Kits absolut sauber gehalten. Uns an strikte Hygienevorschriften zu halten, sind wir deshalb schon gewohnt.

Da sich mit der Einführung der Corona-Maßnahmen nun aber deutlich weniger MitarbeiterInnen vor Ort befinden, erschwert dies manchmal die Organisation der Produktionsabläufe. Es kommt vor, dass viele Arbeiten im PCR-Labor anstehen und danach einige KollegInnen die Produktion nicht mehr betreten dürfen. Tage, an denen die Produktion besetzt sein soll, müssen also vorher gut geplant werden, da an einem Herstellungsprozess mindestens drei MitarbeiterInnen beteiligt sind.

Mittlerweile ist die Umsetzung der Maßnahmen Routine für uns geworden. Aus der Teilung in Home-Office und praktisches Arbeiten konnten wir sogar Vorteile ziehen: Für einige entfällt der lange Arbeitsweg an Home-Office-Tagen und die freie Zeiteinteilung der Arbeit zuhause erleichtert den Corona-Alltag. Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf eine Zeit, in der eine freie Begegnung mit allen KollegInnen wieder möglich ist.

Das Biotechnologie-Unternehmen oncgnostics GmbH startet eine Vertriebspartnerschaft mit dem internationalen Diagnostikkonzern EUROIMMUN Medizinische Labordiagnostika AG. Im Rahmen der Zusammenarbeit vertreibt EUROIMMUN den Gebärmutterhalskrebstest der oncgnostics GmbH, GynTect, zunächst in den europäischen Ländern Portugal, Italien, Türkei und Polen. Es wird außerdem erwartet, dass der Test bis Ende 2021 in Kanada zugelassen ist und dort in den Verkauf gehen kann.

Anlass der Kooperation ist die wertvolle Ergänzung der Produktportfolios: EUROIMMUN verkauft seit nunmehr sieben Jahren erfolgreich den EUROArray HPV, einen molekulargenetischen Test zum Nachweis und zur vollständigen Genotypisierung humaner Papillomaviren, kurz HPV. Der Test von EUROIMMUN kann eine HPV-Infektion bei Frauen mit einer sehr hohen Sicherheit erkennen. Jedoch führt nicht jede HPV-Infektion zu einer ernsthaften Erkrankung. Die meisten von einer HPV-Infektion betroffenen Frauen sind gesund, die Infektion heilt von allein aus. Diese Entwicklung vorherzusagen, kann jedoch kein HPV-Test leisten. An dieser Stelle setzt der von der oncgnostics GmbH entwickelte Test GynTect an. Die Innovation des Tests besteht in der sicheren Erkennung von DNA-Methylierungen, die nur bei der Entwicklung von Krebszellen vorliegen. Somit kann eine bösartige Veränderung, die sich zu Krebs entwickeln kann, durch GynTect entdeckt werden.

„Mit der Aufnahme von GynTect in unser Produktangebot verfügt EUROIMMUN ab sofort über ein Komplettpaket für die Gebärmutterhalskrebsdiagnostik“, begrüßt Dr. Wolfgang Schlumberger, Vorstandsvorsitzender von EUROIMMUN, die Kooperation. „Der EUROArray HPV hilft dank eindeutiger Typisierung von insgesamt 30 HPV-Subtypen das individuelle Krebsrisiko der Patientinnen einzuschätzen. Mit GynTect kann dieses Risiko nun im nächsten Schritt noch weiter präzisiert werden. So kann ein negativer GynTect-Test für viele Frauen mit einer nachgewiesenen HPV-Infektion frühzeitig die erhoffte Entwarnung geben.“ Die GynTect-Tests stellt oncgnostics im eigenen Produktionslabor in Deutschland her. Sie werden über EUROIMMUN international an Labore verkauft, die die Tests dezentral in den verschiedenen Ländern durchführen und auswerten.

Weitere Länder in Planung

Parallel zu den ersten vier EU-Ländern und Kanada soll der GynTect-Test schrittweise in weitere EU-Märkte eingeführt werden. „Die Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs begreifen wir als globale Herausforderung. Neben der flächendeckenden Impfung spielen präzise Vorsorge-Tests hier eine große Rolle. Wir freuen uns sehr, dass wir über die Partnerschaft Zugang zu dem gut ausgebauten Vertriebsnetzwerk von EUROIMMUN erhalten. Indem wir neue Kontakte zu Laboren, Ärztinnen und Ärzten gewinnen, profitieren immer mehr Frauen von den Vorteilen von GynTect. Darauf bauen wir auf und sind gespannt auf die Zusammenarbeit“, so sagt Dr. Martina Schmitz, Geschäftsführerin der oncgnostics GmbH.

 

Wir von der oncgnostics GmbH forschen und entwickeln Krebstests auf molekularbiologischer Basis. Eines unserer Produkte ist GynTect, ein Test auf Gebärmutterhalskrebs. Er ist in der Lage, Gebärmutterhalskrebs bereits in seinen Vorstufen zu erkennen. Für seine Durchführung ist ein gynäkologischer Abstrich beim Frauenarzt ausreichend.

Anwendung der PCR-Methode im oncgnostics-Labor

Die Methode der PCR (= Polymerase chain reaction) steht für die Polymerase-Kettenreaktion. Das dahinterstehende Verfahren hat die medizinische und biotechnologische Forschung grundlegend verändert und gilt heute als wichtigste Labormethode zur Untersuchung der molekularen Struktur unserer Erbsubstanz (= DNA). Das liegt unter anderem daran, dass die PCR Methode vielseitig einsetzbar ist. Sie findet in allen oncgnostics-Projekten Anwendung und ist elementarer Bestandteil unseres Tests auf Gebärmutterhalskrebs GynTect. Bekanntheit erreichte der PCR Labortest zuletzt jedoch durch seinen Einsatz beim aktuell weltweiten Testen von Corona-Proben.

Wofür wird die PCR angewendet?

Labore verwenden die Methodik für die Vervielfältigung von DNA in kürzester Zeit. Schnelldurchläufe, sogenannte Fast-PCRs, erfolgen innerhalb von 10 Minuten. Andere dauern zwischen einer und zwei Stunden.

Nehmen wir unseren Gebärmutterhalskrebstest GynTect: Ziel der PCR ist hierbei herauszufinden, ob bestimmte, epigenetisch veränderte Gensequenzen vorliegen, die nur in Krebszellen vorkommen. Diese werden als methylierte DNA bezeichnet.

Um diese Frage via PCR-Diagnostik zu klären, benötigt man Folgendes:

  • DNA von der Probe, die untersucht wird. Die Probe sendet die gynäkologische Praxis ein, in der die betroffene Frau betreut wird.
  • Nukleotide: Das sind die chemischen Grundbausteine der DNA. Sie braucht es, um Kopien des vorgegebenen DNA-Strangs herzustellen.
  • Polymerasen: Dabei handelt es sich um eine Enzymklasse, die essentiell für die Vervielfältigung der DNA ist.
  • Spezifische Primer: Die künstlich erzeugten, kurzen Nukleotidketten dienen als Startmoleküle für die Polymerase. Sie docken an dem DNA-Strang an und kennzeichnen so den Punkt, an dem die Polymerase mit ihrer Arbeit beginnt. Je nachdem, welche Regionen (= Biomarker) der DNA es nachzuweisen gilt, dienen andere Primer als Schlüssel für die PCR-Methode.
  • Schließlich braucht es eine Puffer-Lösung, in der die Reaktion abläuft und die den pH-Wert stabil hält.

Polymerase Kettenreaktion: Ablauf im Thermocycler

Die Vervielfältigung der DNA erfolgt in der Regel in drei Schritten in einem sogenannten Thermocycler. Dieses Laborgerät regelt die exakten Temperaturen während der biochemischen Reaktion.

  1. Der erste Schritt heißt Denaturierung. Die Probe wird dabei auf 94-96°C erhitzt. Dies führt dazu, dass sich die beiden Stränge der doppelsträngigen DNA voneinander lösen.
  2. Für die zweite Phase der Primerhybridisierung wird die Probe rasant auf 50-65°C abgekühlt. Die jeweilige Temperatur hängt von den eingesetzten Primern ab, die wie oben beschrieben als spezifische Schlüssel dienen. Die Primer docken nun an den jeweils passenden Stellen der beiden Einzelstränge der DNA an.
  3. Im finalen Schritt der Elongation, auch Verlängerung genannt, werden aus den Einzelsträngen der DNA wieder Doppelstränge. Dafür wird die Temperatur erneut auf 68-72°C erhöht. Die Polymerase setzt an den kleinen Stellen doppelsträngiger DNA an, die durch die Primer entstanden sind. Mithilfe der losen Nukleotide vervollständigt sie den Doppelstrang.

Innerhalb von 30 Sekunden bilden sich in der letzten Phase etwa 500 Basenpaare. Die Länge des dritten Schritts hängt davon ab, wie lang die untersuchte DNA-Sequenz ist. Sobald der dritte Schritt abgeschlossen ist, startet ein neuer PCR-Zyklus. Dadurch vermehrt sich die DNA in den Bereichen der nachzuweisenden Marker exponentiell. Bereits nach 30 Zyklen können über eine Milliarde Kopien vorliegen. Der gesamte Ablauf dauert in der Regel eine Stunde.

Wichtig: Die Vervielfältigung der DNA-Probe passiert nur, wenn sie die gesuchte Gensequenz enthält. Im Fall von GynTect oder auch Corona wäre die DNA-Probe in diesem Fall positiv.

PCR Diagnostik: Was passiert bei der Anwendung von GynTect? 

Bei der Durchführung von GynTect wenden wir das beschriebene Verfahren an. Falls eine Methylierung der DNA für die entsprechende Gensequenz vorliegt, die ausschließlich in Krebszellen und Krebsvorläuferzellen vorkommt, kann die DNA mithilfe der spezifischen GynTect-Primer vervielfältigt werden. Das Ergebnis ist positiv. In diesem Fall leuchtet die Probe auf.

Für das optische Signal wenden wir einen bestimmten Fluoreszenzfarbstoff an. Dieser lagert sich in den aufeinanderfolgenden Zyklen immer wieder in doppelsträngige DNA-Stücke ein, die die PCR erzeugt. Je mehr vervielfältige DNA vorhanden ist, desto stärker ist das Leuchtsignal. Der Zyklus, ab dem das entstehende Leuchtsignal signifikant das Hintergrundleuchten überschreitet, wird als Cycle Threshold, auch Ct-Wert bezeichnet. Für den GynTect Test ist ein bestimmter Anteil methylierte DNA mindestens notwendig, damit eine Probe als positiv erkannt wird. Der Anteil liegt jedoch bei weniger als einem Prozent.

Ist die Probe negativ, wird keine Methylierung der DNA nachgewiesen. Die PCR erzeugt in diesem Fall keine DNA-Fragmente und der Farbstoff lagert sich nirgends ein. Dementsprechend gibt die Probe kein Leuchtsignal ab.

Die Vorbereitung der PCR für GynTect sehen Sie in diesem Video im Schnelldurchlauf.

Vorteil und Geschichte der PCR-Methode

Der klare Vorteil der Methode liegt in der einfachen Handhabbarkeit. Das Tool weist unkompliziert und zielgerichtet bestimmte Erbinformationen nach. Zentral ist hierbei, dass die Primer die Zielsequenz spezifisch erkennen. Im Beispiel von GynTect wenden wir Primer an, die nur auf bestimmte, in diesem Fall sechs verschiedene, Genregionen passen und das ausschließlich dann, wenn diese vorher methyliert vorlagen.

Die Forschung zu der Diagnostik-Methode geht bis in die 1950er Jahre zurück. In ihrem heutigen Sinn wurde sie 1983 erfunden und bereits 10 Jahre später, 1993, mit dem Chemienobelpreis ausgezeichnet. Heute sind in den meisten Laboren viele verschiedene PCR-Thermocycler im Einsatz. In einem früheren Blogbeitrag haben wir gezeigt, wie genau unser Labor und der Arbeitsalltag in diesem aufgebaut ist.

Die Bemühungen zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge weisen innerhalb Europas große Unterschiede auf. Während Belgien, Dänemark, Irland und Großbritannien gute Präventionsstrategien zeigen, verfügen andere Länder z. B. über keine klaren Regelungen zu HPV-Impfungen. Auch in Deutschland ist noch Luft nach oben. Das verdeutlicht eine aktuelle Studie des European Parliamentary Forum for Sexual & Reproductive Rights (EFP), deren Ergebnisse das Netzwerk im Europaatlas Cervical Cancer Prevention Atlas festhält[1]. Am heutigen Weltkrebstag möchten wir die Kernaussagen der Studie vorstellen, um erneut für das Thema zu sensibilisieren.

In Europa erhalten jedes Jahr über 60.000 Frauen die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Mehr als 25.000 Betroffene sterben jährlich an der Krankheit. Damit ist die Krebsart zwar „nur“ die neunthäufigste Krebserkrankung bei Frauen in Europa insgesamt, aber die zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren. Die Zahlen erschrecken. Jedoch zeigt die EFP-Erhebung, dass es bereits funktionierende Vorsorgesysteme gibt.

So zum Beispiel in Dänemark. Das Land hat als eines der ersten die HPV-Impfung eingeführt[2]. Um die Vorteile der Impfung bekannt werden zu lassen, führte die Regierung 2016 eine großflächige Kampagne unter dem Motto „Stop HPV, Stop Cervical Cancer“ durch. Gesundheitsexperten klärten dabei Eltern über die Chancen und Risiken der Impfung auf. In Folge der Kampagne stieg die Anzahl der geimpften Mädchen signifikant an, wodurch sich die Zahl der Infizierten vermindert(e). Heute werden auch Jungen in Dänemark kostenlos geimpft. Weiterhin verfügt das vergleichsweise kleine Land über ein ausgereiftes Screening-Programm für Erwachsene.

Klare Unterschiede in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge

Insgesamt bewertet die Studie die Vorsorgemaßnahmen von 46 europäischen Ländern. Das Engagement im Kampf gegen die Krankheit unterscheidet sich deutlich:

  • In 35 Ländern laufen HPV-Impfprogramme.
  • 29 Länder bieten Screening-Programme zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge an. In 17 Ländern wird diese als umfassend bewertet.
  • Lediglich in 15 Ländern stellt die Regierung gut aufbereitetes Online-Material und Websites zur Aufklärung über die Risiken und Folgen der Krankheit zur Verfügung.

Deutschland erreicht im Bereich der Impf-Vorsorge und Aufklärungsarbeit die volle Punktzahl. Abzug wird in Hinblick auf das nationale Screening-Programm erteilt, was zu einem Gesamtranking auf Platz 12 von 46 führt. Hier gibt es entsprechend noch einiges zu tun. Ein erster Schritt sind die Anschreiben, die Frauen ab 20 Jahren seit Anfang 2020 aktiv zum Krebsfrüherkennungsprogramm für Gebärmutterhalskrebs einladen. Darüber hinaus sind Abstrich-Selbstentnahme Kits für zu Hause eine vielversprechende Option. In den Niederlanden werden diese bereits angeboten.

Lokale Unterschiede werden im Cervical Cancer Prevention Atlas ebenfalls erkennbar. Den Farben des Ampelsystems folgend, sind die gut abschneidenden Länder in Nord- und Zentraleuropa grün dargestellt. Je weiter man sich auf der Karte Richtung Osten und Süden bewegt, desto mehr Rottöne treffen den Blick. Laut der Studie verfügen acht europäische Länder über gar keine staatlichen Regeln zu Präventionsmaßnahmen.

Deutschland hat Vorbildfunktion

„Erneut zeigt sich, dass für Themen der Frauengesundheit nicht genug Aufmerksamkeit geschaffen werden kann. Deutschland sollte sich hier seiner Vorbildfunktion bewusst werden. Gleichzeitig gilt es, unsere Nachbarn nicht aus dem Blick zu verlieren, sondern solidarisch gegen Gebärmutterhalskrebserkrankungen vorzugehen“, so unsere Geschäftsführerin Dr. Martina Schmitz.

Erst kürzlich betonte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation die Bedeutung der HPV-Impfung in Hinblick auf die hohen Todeszahlen, die jährlich auf die Krankheit zurückzuführen sind.

 

 

Titelbild: Cervical Cancer Prevention Policy Atlas (© European Parliamentary Forum for Sexual & Reproductive Rights)

[1] www.epfweb.org/node/553

[2] www.epfweb.org/sites/default/files/2020-05/hpv_and_cervical_cancer.pdf, S. 10

Der regelmäßige Vorsorgetermin beim Frauenarzt sollte eigentlich Standard für jede Frau sein. Ernsthafte Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs werden so frühzeitig erkannt und in vielen Fällen auch geheilt. Treten zwischenzeitlich trotzdem Beschwerden auf, sollten die betroffenen Frauen diese unbedingt abklären. Meist sind harmlose Infektionen die Ursache. Einige Symptome können jedoch auch auf Gebärmutterhalskrebs hindeuten.

Gebärmutterhalskrebs: Definition und Ursache

Die Gebärmutter besteht aus dem Gebärmutterkörper und am unteren Ende dem Gebärmutterhals, der in die Scheide mündet. Zellveränderungen, bzw. ein bösartiger Tumor am Gebärmutterhals, wird als Gebärmutterhalskrebs oder Zervixkarzinom bezeichnet.

Für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) verantwortlich. Nahezu jede Frau infiziert sich einmal in ihrem Leben auf sexuellem Weg mit dem Virus. In den meisten Fällen heilt die HPV-Infektion jedoch von alleine wieder aus. Die meisten Frauen bemerken von ihrer Erkrankung nichts, da sie ohne Symptome verläuft. In weniger als einer von 100 Fällen bleibt die HPV-Infektion jedoch über Jahre bestehen und entwickelt sich zu Gebärmutterhalskrebs.

Symptome Gebärmutterhalskrebs:

Da Gebärmutterhalskrebs über einen sehr langen Zeitraum und über Krebsvorstufen entsteht, verursacht er zu Beginn auch keine Symptome.  Entsprechend treten Beschwerden meist erst auf, wenn tatsächlich Krebs entstanden ist. Wer diese Symptome bei sich bemerkt, sollte unbedingt seinen Frauenarzt aufsuchen:

  • ungewöhnliche Blutungen, beispielsweise nach dem Geschlechtsverkehr
  • Zwischenblutungen, unabhängig von der Monatsblutung
  • Übelriechender Ausfluss
  • Schmerzen im Unterleib oder Bauch
  • Schmerzen beim Stuhl- oder Wasserlassen

Welche Untersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs gibt es?

Beim Frauenarzt wird der Gynäkologe wahrscheinlich erstmal einen Pap-Abstrich vornehmen. Die daraus gewonnene Probe wird unter dem Mikroskop auf Zellveränderungen untersucht. Außerdem liefert ein HPV-Test weitere Hinweise auf eine Gebärmutterhalskrebserkrankung. Beide Tests sind übrigens seit Anfang 2020 Teil des Neuen Programms zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge. An der regelmäßigen Krebsvorsorge sollte jede Frau, unabhängig von vorliegenden Beschwerden, teilnehmen. Sowohl ein auffälliger Pap-Abstrich als auch ein positiver HPV-Test liefern jedoch noch keinen gesicherten Hinweis auf eine Krebserkrankung.

Zudem entsteht Gebärmutterhalskrebs über mehrere Jahre. Zellveränderungen oder eine HPV-Infektion können von allein ausheilen. Um das zu kontrollieren, wird der Frauenarzt gegebenenfalls die betroffene Frau nach einem bestimmten Zeitraum zur Wiederholung des Pap-Abstrichs und/oder des HPV-Tests einbestellen.

Möglicherweise sind auch weitere Untersuchungen notwendig, wie beispielsweise eine Kolposkopie mit Biopsie. Dabei wird, ganz vereinfacht gesagt, das Gewebe des Gebärmutterhalses unter einem speziellen Mikroskop angeschaut. Eine weitere Möglichkeit, die zur Diagnose von Gebärmutterhalskrebs hinzugezogen werden kann, ist ein molekularbiologischer Test, der die DNA der betroffenen Zellen auf krebstypische Veränderungen untersucht. Welche Methode die geeignete ist, bespricht die betroffene Frau mit ihrem Frauenarzt.

Wir von der oncgnostics GmbH forschen und entwickeln Krebstests auf molekularbiologischer Basis. Eines unserer Produkte ist GynTect, ein Test auf Gebärmutterhalskrebs. Er ist in der Lage, Gebärmutterhalskrebs bereits in seinen Vorstufen zu erkennen. Für seine Durchführung ist ein gynäkologischer Abstrich beim Frauenarzt ausreichend.

Fragen Sie den Arzt Ihres Vertrauens

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens!

 

Titelbild: Duda Vasilii/Shutterstock.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in einer weltweit verstärkten Impfung gegen HPV-Infektionen eine große Chance im Kampf gegen verschiedene Krebsarten. Auf der Jahrestagung der Organisation erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, den HPV Impfstoff breiter einsetzen zu wollen. So soll vor allem gegen die global zunehmenden Fälle von Gebärmutterhalskrebs vorgegangen werden. Mit zusätzlichen Behandlungen und neuen Tests könnten bis zum Jahr 2050 fünf Millionen Todesfälle umgangen und somit viele Leben gerettet werden, so Ghebreyesus[1].

Was steckt hinter der WHO-Strategie? Im Folgenden betrachten wir genauer, welche Gefahren von Humanen Papillomaviren (HPV) ausgehen und besprechen die Chancen, die das Impfen gegen HPV bietet.

Was passiert bei einer HPV-Infektion?

 Die HPV Übertragungswege sind vor allem sexueller Art. Tatsächlich infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit dem Virus[2]. Dabei verlaufen die meisten HPV-Infektionen jedoch ohne erkennbare Symptome. Sie heilen von allein aus. Bereits nach ein bis zwei Jahren sind sie nicht mehr nachweisbar.

Unabhängig von dem unauffälligen Verlauf unterscheidet man zwischen Niedrigrisiko-Typen und Hochrisiko-Typen. Erstere sind z. B. für Genitalwarzen verantwortlich, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Wenn eine Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen nicht von selbst ausheilt, kann sie sich über verschiedene Vorstufen zu Krebs entwickeln. Dies dauert im Schnitt 10 bis 15 Jahre[3].

Laut des Zentrums für Krebsregisterdaten erkranken in Deutschland jährlich etwa 6.250 Frauen und ca. 1.600 Männer an HPV-bedingten Krebsarten[4].

Zu den Krebsarten, die durch HPV verursacht werden, zählen:

Vor welchen Krankheiten schützt die Impfung gegen HPV?

Seit einigen Jahren gibt es Impfstoffe gegen die wichtigsten Hochrisiko-HPV-Typen[5]. In Europa und den USA wird der HPV-Impfstoff seit 2006 eingesetzt. 2020 verdeutlichte eine erste Studie aus Schweden Erfolge beim Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs. Frauen, die bis zu ihrem 17. Lebensjahr gegen HPV geimpft wurden, hatten laut Studienergebnis ein um 88 Prozent geringeres Risiko für Gebärmutterhalskrebs, als ungeimpfte Frauen[6].

Der Impfstoff wird zudem als vorbeugende Maßnahme für Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt. Anna-Bawany Hums ist als Molekularbiologin in der Abteilung für Forschung und Entwicklung bei der oncgnostics GmbH tätig: „Kopf-Hals-Tumoren die auf HPV zurückzuführen sind, entwickeln sich über noch längere Zeiträume als Gebärmutterhalskrebs. Daher gibt es bisher keine Studien, die die Effekte von HPV-Impfungen für diese Krebsarten belegen[6]. Umso wichtiger ist es, gleichzeitig die Diagnose für diese Krankheit zu verbessern. Wir von der oncgnostics GmbH erforschen, wie man Kopf-Hals-Tumoren schon in frühen Stadien mit nicht-invasiven Diagnoseverfahren erkennen kann. So wollen wir die Chance auf einen Therapieerfolg erhöhen. Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung für Betroffene“.

Wer sollte geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, dass Eltern ihre Kinder, also sowohl Jungen als auch Mädchen, im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV impfen lassen. Das junge Alter, in dem man die Kinder impfen lässt, begründet sich unter anderem so:

  • Der Schutz gegen einzelne HPV-Typen kann nicht mehr hergestellt werden, wenn dazu bereits eine bleibende Infektion oder gar Krebsvorstufe vorliegt. Die Impfung gegen HPV wird daher idealerweise vor Aufnahme erster sexueller Kontakte durchgeführt. Versäumte Impfungen sollten möglichst zeitnah nachgeholt werden. Das kann bis zu einem Alter von 17 Jahren erfolgen.
  • Studien zeigen, dass jüngere Mädchen eine bessere Immunantwort auf die HPV-Impfung aufbauen als ältere. Entsprechend sind bei einer Impfung in jungem Alter auch nur zwei Impfdosen erforderlich.

Egal ob man geimpft ist oder nicht: Vorsorge ist zentral

 HPV-induzierte Krebserkrankungen entstehen über viele Jahre und Vorstufen hinweg. Auch nach erfolgter HPV-Impfung bleibt ein Restrisiko bestehen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind deshalb elementar. In Deutschland gilt seit 2020 ein neues Früherkennungsprogramm für Gebärmutterhalskrebs. Das Programm sieht unter anderem eine Co-Testung aus einem Pap- und HPV-Test für Frauen ab 35 Jahren vor.

Auf ihrer Jahrestagung forderte die WHO von den 194 Mitgliedsländern, dass mindestens 70 Prozent der Frauen bis zu ihrem 35. Lebensjahr auf Gebärmutterhalskrebs getestet werden. Zudem sollen bis 2030 mindestens 90 Prozent der Mädchen vollständig gegen HPV geimpft sein, bevor sie 15 Jahre alt werden.

Systematische Vorsorgeuntersuchungen für Kopf-Hals-Tumoren gibt es in Deutschland bisher nicht. Hier gilt es, auftretende Beschwerden im Mund- und Rachenbereich frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.

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[1] WHO stellt Strategie zur Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs vor. In: Ärzteblatt, 17. November 2020. Online verfügbar: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/118411/WHO-stellt-Strategie-zur-Bekaempfung-von-Gebaermutterhalskrebs-vor

[2] Robert Koch Institut (2020): HPV (Humane Papillomviren): Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Erreger und Impfung. Online verfügbar: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html;jsessionid=3F10B057E8CD109E0C8EF04167FB32E6.internet072?nn=2375548

[3] Bundesgesundheitsministerium (2020): Verbesserte Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs seit Januar 2020. Online verfügbar: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/frueherkennung-vorsorge/frueherkennung-von-gebaermutterhalskrebs.html

[4] Robert Koch Institut (2018): RKI-Ratgeber. Humane Papillomviren. Online verfügbar: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HPV.html

[5] Krebsinformationsdienst: Humane Papillomviren und Krebs. Online verfügbar: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/hpv.php

[6] Robert Koch Institut (2020): HPV (Humane Papillomviren): Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Erreger und Impfung. Online verfügbar: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html;jsessionid=3F10B057E8CD109E0C8EF04167FB32E6.internet072?nn=2375548

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Titelfoto: LookerStudio/www.shutterstock.com

Erfahrungsberichte von Frauen in der Familienplanung, bei denen in der Krebsvorsorge ein auffälliger Befund gestellt wurde, sind häufig von Unsicherheit und Frust geprägt. Nach einem gemeinsamen Aufruf mit der Anti-Krebs-Aktivistin Myriam von M. erzählten uns viele Frauen ihre Geschichte. Einige erlebten nach einer durchgeführten Konisation Risikoschwangerschaften oder sogar Fehlgeburten. Sie berichteten von Schuldgefühlen und der Angst vor einer erneuten Schwangerschaft, obwohl sie gern ein (weiteres) Kind bekommen würden.

Auffälliger Befund: Auswirkungen auf die Familienplanung

Treten Auffälligkeiten in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge auf, wie beispielsweise ein auffälliger Pap-Befund oder ein positiver HPV-Test, kann dies zu psychologischen Belastungen führen. Dies zeigt eine neue Studie [1], für die 3.753 Frauen befragt wurden.

  • Danach ist nahezu jede zweite Frau psychologisch stark von den Risiken einer Konisation belastet.
  • Bei knapp einem Drittel der Befragten hat die Überlegung, eine Konisation durchführen zu lassen, starken Einfluss auf die Familienplanung.

Die Unsicherheit der Frauen ist unter anderem auf die Methode des „Kontrollierten Zuwartens“ zurückzuführen. Festgestellte Auffälligkeiten am Gewebe heilen häufig von alleine wieder aus. Daher werden sie oft über einen langen Zeitraum mit wiederholten Tests beobachtet. Bei Frauen, die noch nicht mit der Familienplanung abgeschlossen haben, kann sich so das Gefühl einstellen, dass ihnen wertvolle Zeit verloren geht. Auch das Wissen darum, dass sich Gebärmutterhalskrebs über viele Jahre entwickelt, kann die Frauen mit Kinderwunsch unter Zeitdruck setzen. So kann es sein, dass die Frau so schnell wie möglich schwanger werden möchte, bevor der vermeintlich schlechte Befund des Gebärmutterhalsabstriches noch weiter fortschreitet.

Gibt es einen Zusammenhang von Konisation und Frühgeburt?

Bleiben die Untersuchungsergebnisse auffällig oder verschlechtert sich der Befund, verdichten sich somit die Anzeichen für eine Krebserkrankung. In dem Fall kann vom Arzt eine Konisation empfohlen und durchgeführt werden. Dabei wird der Gebärmutterhals kegelförmig ausgeschnitten [2].

Es ist umstritten, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen einem solchen Eingriff und späteren Frühgeburten gibt. Verschiedene wissenschaftliche Studien legen jedoch nahe, dass das Risiko für eine Frühgeburt nach einer durchgeführten Konisation zunimmt.

Beispielsweise zeigen Studienergebnisse von 2010 [3]:

  • Jede dritte Frau, bei der zwei solcher Eingriffe durchgeführt wurden, erlebten eine Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche. Von den Frauen mit einer Konisation passierte dies elf Prozent, ohne Konisation vier Prozent.
  • Extreme Frühgeburten vor der 28. Schwangerschaftswoche kamen bei drei Prozent der Frauen vor, die zwei Konisationen durchführen ließen. Von den Frauen mit einer Konisation war es ein Prozent, von denen ohne einen Eingriff 0,3 Prozent.

Entsprechend nachvollziehbar ist es, dass betroffene Frauen beunruhigt sind, wenn sie eine erste oder weitere Schwangerschaft planen.

Anzeichen von Gebärmutterhalskrebs: Schwangerschaft nicht unmöglich

An dieser Stelle ist es wichtig festzuhalten, dass Auffälligkeiten in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge dem geplanten Familienzuwachs nicht grundsätzlich im Weg stehen. Hier gilt es, die Anzeichen genau zu deuten. Eine Infektion mit Humane Papillomaviren (HPV) kann Krebs auslösen, das muss jedoch nicht geschehen. Ein Großteil der Frauen hat in ihrem Leben eine HPV-Infektion, die meist völlig unbemerkt von allein wieder ausheilt. Ein zusätzlicher auffälliger Pap-Befund kann sich zudem nicht nur verschlechtern, sondern auch verbessern. Nur selten entsteht wirklich Krebs. Gebärmutterhalskrebs entsteht über verschiedene Vorstufen. Er kann bereits in einem frühen Stadium entdeckt werden. In diesem Fall ist die Krebserkrankung fast immer heilbar. Die Gebärmutter selbst bleibt erhalten und nimmt keinen Schaden.

Deutlich wird, dass regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt während der Familienplanung bereits vor einer Schwangerschaft dazugehören. Bei auffälligen Pap-Befunden oder HPV-Infektionen können molekularbiologische Verfahren dabei unterstützen, herauszufinden, ob diese Auffälligkeiten tatsächlich auf eine zu behandelnde Krebsvorstufe oder bestehende Krebserkrankung zurückzuführen sind. Die Zeit der engmaschigen Kontrolle beim Frauenarzt kann somit deutlich verkürzt und klare Vorgehensweisen schnell beschlossen werden. Auch können so im Einzelfall operative Eingriffe wie eine Konisation verhindert werden.

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[1] Jentschke et al. (2020): Psychological distress in cervical cancer screening: results from a German online survey, in: Archives of Gynecology and Obstetrics 302:699–705.

[2] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/kinderwunsch-und-krebs/erhalt-der-fruchtbarkeit.html

[3] Ørtoft et al. (2010): After conisation of the cervix, the perinatal mortality as a result of preterm delivery increases in subsequent pregnancy, in: BJOG 117:258–267.

 

Titelfoto: Africa Studio/Shutterstock.com

Normalerweise spielt sich in einem Labor vieles hinter verschlossenen Türen ab. Strenge Qualitäts- und Hygieneregeln gewähren nur Mitarbeitern Eintritt. Doch anlässlich des Welttages des Labors öffnen wir heute unsere Tür – in Form unseres brandneuen Videos zur Durchführung von GynTect, unseres Tests auf Gebärmutterhalskrebs.

Schritt für Schritt leitet unser Tutorial interessierte Laboranten durch die Abläufe unseres molekularbiologischen Tests GynTect zur Abklärung von Gebärmutterhalskrebs. Endlich können nun auch Gynäkologen sehen, was mit der zervikalen Abstrichprobe passiert, die sie für GynTect zum Labor geschickt haben.

Der Videodreh: ein nachgebautes Labor

Während das Video in wenigen Minuten die wichtigsten Informationen auf den Punkt bringt, war dessen Dreh ein aufwendiges und aufregendes Ereignis für uns. Einen ganzen Tag lang drehte Kameramann Eberhard Schorr – nein, nicht im Labor, sondern an einem separaten Set. Platz- und Lichtverhältnisse wären im Labor nicht ausreichend gewesen.

Videodreh für die Anleitung zur Durchführung von GynTect

Applikationsspezialistin vor der Kamera

Normalerweise führt unsere Applikationsspezialistin Kristin Knoll die Arbeitsschritte im Labor routiniert und zügig aus. Für den Video-Dreh galt es aber plötzlich ganz neue Dinge zu beachten: „Für den Dreh hatte ich nur das nötigste Labor-Equipment zur Verfügung und es stand auch nicht alles am gewohnten Platz. Das war notwendig, denn wir haben die Geräte so drapiert, dass sie für die Kamera gut erkennbar sind. Ich musste außerdem die Arbeiten viel langsamer durchführen als gewohnt“, erzählt Kristin Knoll. „Zudem habe ich darauf geachtet, dass meine Finger bei der Arbeit keine wichtigen Details verdecken.“

Laborarbeit aus einem anderen Blickwinkel

Der Videodreh ließ die erfahrene Applikationsspezialistin die Abläufe des GynTect-Tests aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen. Zwar weiß Kristin Knoll wie sie Kunden und interessierten Laboranten die Arbeitsschritte verständlich erklärt, doch beim Videodreh wurden die einzelnen Schritte noch einmal ganz genau unter die Lupe genommen. „Manche Szenen mussten wiederholt werden, damit die Kamera unterschiedliche Perspektiven einnehmen konnte. Da galt es, die einzelnen Arbeitsschritte gut im zu Blick zu behalten.” Auch musste Kristin Knoll gleichzeitig an die Interessen unserer Kunden, also den zukünftigen Zuschauern des Videos, denken. „Da der Kameramann natürlich die Abläufe im Labor nicht kannte, entschied ich, was besonders wichtig ist und was wir im Video zeigen wollen.“

GynTect-Video ab sofort verfügbar

Das Video zur Durchführung von GynTect soll bestehende Kunden und Partner bei der Laborarbeit unterstützen. Interessierte Laboranten oder Ärzte erhalten durch das Video einen Einblick in unseren molekularbiologischen Test zur Abklärung von Gebärmutterhalskrebs. Wer nur einen schnellen Überblick benötigt, kann sich diesen in rund 50 Sekunden verschaffen. Wer genau wissen will, wie GynTect durchgeführt wird, dem steht unser gut sieben minütiges Tutorial zur Verfügung. Beide Videos sind auch in Englisch (kurz/lang) verfügbar.

Das Gesundheitssystem in Kuba schaute sich Dr. Alfred Hansel Anfang März genau an. Der oncgnostics Geschäftsführer reiste zum „Cuban-German Healthtech Summit“ nach Havana. Gebärmutterhalskrebs und seine Früherkennung ist auch in Kuba ein großes Thema.

Oncgnostics Geschäftsführer Dr. Alfred Hansel machte sich vor Ort ein Bild sowohl vom kubanischen Gesundheitssystem als auch vom dazugehörigen Markt. Im Rahmen einer vom Bundeswirtschaftsministerium organisierten Delegationsreise trafen die Vertreter von 10 deutschen Unternehmen aus der Medizinbranche mit Vertretern der kubanischen Gesundheitswirtschaft zusammen. Letztere gaben einen Einblick in ihre Arbeit und in das kubanische Gesundheitssystem, während die deutschen Unternehmen sich in Kurzvorträgen dem kubanischen Publikum vorstellten. In anschließenden bilateralen Gesprächen wurden dann Kooperationsmöglichkeiten diskutiert. Besonders intensiven Austausch hatte Dr. Hansel mit dem Clinical-Surgical Hospital „Hermanos Ameijeiras“ das sich sehr für den von der oncgnostics GmbH entwickelten Gebärmutterhalskrebs-Früherkennungstest GynTect interessierte und Dr. Hansel zu Einzelgesprächen einlud.

Früherkennung auf Gebärmutterhalskrebs

Das kubanische Gesundheitssystem ist fortschrittlich. Der Pap-Test wird bereits seit Ende der 1960er Jahre für die Gebärmutterhalskrebsvorsorge eingesetzt. Alle drei Jahre können kubanische Frauen den Test durchführen lassen. Mit Erfolg: Die Zahl der Neuerkrankungen und auch die Todesrate sank stetig. Doch seit den 1990er Jahren wendet sich der Trend. Es erkranken wieder mehr Frauen an Gebärmutterhalskrebs und es sterben auch mehr Frauen daran. Die Gründe dafür sind noch nicht bekannt. Möglicherweise ist das Untersuchungsintervall von drei Jahren nicht ausreichend. Außerdem gehen nur etwa 70% der Frauen tatsächlich regelmäßig zur Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung.

Zusammenarbeit an Studie

Das Clinical-Surgical Hospital „Hermanos Ameijeiras“, größte Klinik in ganz Kuba und Referenzzentrum für Forschung und Lehre, möchte in Kürze mit einer Studie dazu beitragen, die Gebärmutterhalskrebsvorsorge in Kuba zu verbessern.

„Vertreter der Klinik zeigten großes Interesse an unserem Test auf Gebärmutterhalskrebs GynTect. Aktuell haben sie eine Studie in den Startlöchern, die die Überlegenheit des HPV-Tests gegenüber dem Pap-Abstrich aufzeigen soll. Wir haben intensiv über eine Erweiterung der Studie durch den Einsatz von GynTect gesprochen. In den nächsten Tagen arbeiten wir die in Kuba angestoßenen Überlegungen aus, um diese möglicherweise bald umzusetzen,“ erzählt Dr. Alfred Hansel.

The oncgnostics managers together with Geneo Dx managers and colleagues.

Zulassung für Abklärungstest zur Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung für den chinesischen Markt Anfang 2020 erwartet / Erste Kontakte in Japan

Shanghai/Yokohama/Tokio/Jena, 29. Oktober 2019 – Das chinesische Partnerunternehmen GeneoDx steht kurz vor der Zulassung von GynTect auf dem chinesischen Markt. Das wurde bei einem Arbeitstreffen mit Vertretern der oncgnostics GmbH in Shanghai bekannt gegeben.

Die chinesische Partnerfirma GeneoDx, eine SINOPHARM-Tochter, präsentierte den oncgnostics Geschäftsführern Dr. Martina Schmitz und Dr. Alfred Hansel in Shanghai die Ergebnisse ihrer gerade beendeten Zulassungsstudie für die National Medical Products Administration (NMPA) für den molekularbiologischen Test GynTect. Die Zulassung von GynTect für den chinesischen Markt wird für Anfang 2020 erwartet. Der Test erlaubt die zuverlässige und schnelle Diagnostik von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und dessen Vorstufen.

„Unsere Partner haben eine Studie mit rund 1.300 Proben durchgeführt. Die Ergebnisse sehen sehr vielversprechend aus. Wir sind optimistisch, dass GeneoDx die Marktzulassung für GynTect ohne Probleme erhalten wird. Außerdem werden aus der Studie hochrangige Publikationen folgen“, erzählt oncgnostics Geschäftsführerin Dr. Martina Schmitz.

In Japan besuchte Dr. Alfred Hansel vom 9. bis 11. Oktober die BioJapan in Yokohama. Auf der Konferenz pflegte er bereits vorhandene Kontakte, die er bei einem Besuch im Frühjahr diesen Jahres bei der MedTech Japan in Tokio geknüpft hatte. Zudem führte er Gespräche mit weiteren Firmen zu den Vermarktungsmöglichkeiten von GynTect in Japan und anderen Ländern der Südostasien-Region.

Der asiatische Markt ist für oncgnostics nicht nur in Bezug auf GynTect interessant. Auch für die derzeitigen Pipelineprojekte, insbesondere die Entwicklung von Assays im Bereich der Kopf-Hals Tumordiagnostik, werden internationale Partnerschaften angestrebt.

Über oncgnostics:

Die Jenaer oncgnostics GmbH hat sich auf die Früherkennung von Krebs spezialisiert. Ihre Tests weisen Veränderungen nach, die für die DNA von Krebszellen charakteristisch sind. Das 2012 gegründete Unternehmen brachte 2015 GynTect auf den Markt. Im Rahmen der Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung klärt der Test ab, ob bereits Gebärmutterhalskrebs oder Vorstufen davon vorliegen. Im April 2017 unterzeichneten die beiden Firmen GeneoDx und oncgnostics eine exklusive Lizenzvereinbarung für GynTect in China, Hongkong und Macao.

Die oncgnostics GmbH forscht außerdem an Abklärungstests für weitere Krebsarten. Ausführliche Informationen erhalten Sie unter www.oncgnostics.com.

Über GynTect:

GynTect ist ein molekularbiologischer Test, der sechs Bereiche des humanen Erbguts erkennt, die nur bei der Entwicklung von Krebszellen methyliert vorliegen. Somit erkennt GynTect Patientinnen mit bösartigen Veränderungen.