YES!CON

Am 18. und 19. September 2021 findet die zweite YES!CON in Berlin statt. Die größte Krebs-Convention fördert die Kommunikation unter Betroffenen und schafft mehr Aufmerksamkeit für das Thema Krebs. Wir haben uns mit Geschäftsführer Jochen Kröhne über das Event unterhalten und herausgefunden, welche Chancen es für Betroffene und Angehörige birgt.

Herr Kröhne, Ziel der YES!CON ist es, das Thema Krebs in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Woran liegt es, dass dies heute noch nicht der Fall ist? Warum ist es so schwer, über Krebs zu sprechen?

Jochen Kröhne: „Es hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert, aus unserer Sicht zum Positiven. Krebs ist heutzutage weniger ein Tabuthema. Jedoch ist es oft noch mit Scham behaftet und teilweise mit der Angst, berufliche und persönliche Nachteile zu erleben. Statistisch gesehen erkrankt in Deutschland jeder zweite Mensch an Krebs1 und jährlich sind eine halbe Million Menschen betroffen. Diese Zahlen sind in der Gesellschaft noch nicht überall präsent. Dies deutet darauf hin, dass die Leute nicht offen damit umgehen. Wir setzen uns deswegen dafür ein, das Thema Krebs in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Auf der YES!CON geht es hauptsächlich um Patient Empowerment und darum, dass niemand schuld an seiner Krankheit ist. Die Teilnehmenden werden ermutigt, selbstbewusst mit der Krankheit umzugehen.“

Themenschwerpunkt in diesem Jahr ist „Leben mit Krebs“. Welche Infos und Formate erwarten Betroffene und Interessierte bei der YES!CON?

Jochen Kröhne: „Die Palette ist breit und dreht sich rund um das Leben mit Krebs. Wir sträuben uns zudem nicht vor dem Thema „Sterben durch Krebs“: Wie sieht es mit Hospitalisierungs-Angeboten aus? Wie geht man damit um, wenn Menschen austherapiert sind und es nun keine weiteren Optionen gibt? Es gibt auch viele Themen für Familien und zur Forschung, wie Impfungen. Das ist beispielsweise bei Gebärmutterhalskrebs eine tolle Sache, dass es eine Impfung gibt. Und andere mRNA-Stoffe haben auch die große Chance, Krebs zu bekämpfen. Dadurch kann man perspektivisch aggressiven Chemotherapien vorbeugen.“

Die YES!CON stieß im letzten Jahr auf eine große Resonanz. Was sind die Erwartungen für dieses Jahr?

Jochen Kröhne: „Die YES!CON findet dieses Mal vor Ort mit Hygienekonzept statt. Wir hoffen natürlich vor Ort und vor allem online auf mehr Publikum. Es war uns jedoch von Anfang an ein Anliegen, die YES!CON hybrid zu veranstalten. Nicht alle Krebserkrankte können teilnehmen und deswegen bieten wir einen Stream an. Es kann sich jeder barrierefrei anmelden. Darüber hinaus kann man über die YES!App Fragen an Moderatoren einstellen und live mit ihnen interagieren. 2022 werden wir hoffentlich noch mehr Gäste reinlassen und noch mehr Panels anbieten dürfen. Dabei zählen wir stets auf die Unterstützung von prominenten Gästen. Wir haben zum Beispiel Jens Spahn als Schirmherr der Veranstaltung gewonnen. Die Idee ist, dass nicht nur Fachleute kommen, sondern auch Mutmacher und Personen, die politisch und gesellschaftlich aktiv sind. Der Kern der Message soll sein, dass man nicht allein ist.“

À propos Prominente: Sie arbeiten viel mit Influencern zusammen, unter anderem mit Myriam von M, mit der wir auch kooperieren. Was können Betroffene aus Ihrer Sicht am besten vermitteln?

Jochen Kröhne: „Es gibt Menschen, die nicht über ihre Krebserkrankung reden wollen. Und es gibt wiederum Menschen, die das Bedürfnis haben zu reden und anderen Menschen zu helfen. Blogger und Influencer sind so erfolgreich, weil betroffene Leute sich mit ihnen identifizieren können. Es gibt aber auch Prominente, die indirekt betroffen sind. Wie Stefanie Giesinger, Joko Winterscheidt und Tim Mälzer. Wir laden Prominente generell nicht ein, weil sie prominent sind. Sie müssen zur Krankheit einen persönlichen Bezug haben. Ansonsten können sie nicht empathisch und authentisch darüber sprechen.“

Wir von oncgnostics versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass mehr über Krebserkrankungen gesprochen wird. Wir wissen, dass Aufklärung und Wissen über die Krankheit zentral sind, damit z. B. Patienten im Fall einer Erkrankung frühzeitig eine Diagnose bekommen. Was ist der Wunsch der YES!CON-Veranstalter an uns als Unternehmen, um das Thema Krebs weiter zu enttabuisieren?

Jochen Kröhne: „Wir müssen mehr über Krebs sprechen, um vor allem auf Vorsorgeprogramme aufmerksam zu machen. Eine Krankheit wird behandelt, doch vieles hätte man durch eine frühzeitige Erkennung verhindern können. Das wäre das Allerbeste für alle Krebsarten. Dafür muss diese Krankheit in der Gesellschaft breitflächig thematisiert werden und dafür ist meiner Meinung nach jedes Mittel recht. Ob Emotionen oder Comedy, die Leute sollen abgeholt werden. Wir bekamen schon Kritik wie: „Ihr macht das mit Promis und setzt auf Lifestyle.“ Genau, denn damit erreichen wir junge Menschen und sensibilisieren sie für ein Thema, das sie noch nicht tangiert. Damit kann man das Thema „Krebs“ schneller enttabuisieren, für Aufklärung sorgen und zur Vorsorge bewegen.“

Wer die Veranstaltung verfolgen möchte, kann dies kostenlos online tun: Am 18. und 19. September 2021 über die Website www.yescon.org. Vielen Dank an Herrn Kröhne für das informative Gespräch!

 

[1] Robert Koch Institut (2017): Krebs in Deutschland für 2013/2014, S. 19