Fruchtbarkeitstracker, digitale Beckenbodentrainer und Gentests, die die Wahrscheinlichkeit von Endometriose vorhersagen – die Beispiele für sogenannte FemTech-Produkte sind vielfältig. Ihr gemeinsames Ziel ist es, überfällige Tabus zu brechen. Themen wie die Gesundheit von Frauen, die Periode und weibliche Sexualität sollen die verdiente Aufmerksamkeit erhalten. Auf der Basis von intelligenten Technologien, eleganten Designs und cleverer Vermarktung liefert die FemTech-Branche smarte Lösungen für frauenspezifische Gesundheitsanliegen.

Der Begriff „FemTech“ beschreibt HighTech und Apps, die sich spezifisch an die weibliche Gesundheit richten. Er wurde erstmals von Ida Tin genutzt, die als Gründerin die App Clue mitentwickelte. Die App analysiert den individuellen Zyklus und möchte so z. B. Frauen mit Kinderwunsch helfen, schwanger zu werden.

Zurzeit erfährt die FemTech-Branche einen regelrechten Boom. Und das ist auch richtig so. Immerhin ist die Hälfte der Bevölkerung weiblich (kleine, freundliche Erinnerung 😉). Ihr Anteil in der medizinischen Forschung ist hingegen noch ausgesprochen niedrig.

Frauenkörper ticken anders

Laut der Analysefirma Pitchbook sind lediglich vier Prozent der gesamten Forschung und Entwicklung speziell auf die Gesundheit von Frauen ausgerichtet1. Zeitgleich werden die meisten medizinischen Studien mit männlichen Probanden durchgeführt. Das führt bis heute dazu, dass Medikamente für Frauen teilweise weniger wirksam oder falsch dosiert sind. Auch Fehldiagnosen sind keine Seltenheit. Beispielsweise weichen die Anzeichen eines Herzinfarkts bei Frauen stark von den „typischen“ Symptomen bei Männern ab und werden daher oft nicht erkannt.

Doch nicht nur im biologischen Aufbau unterscheiden sich Frauen- und Männerkörper voneinander. Vielmehr gehen sie ihre Gesundheit auch mit einem anderen Bewusstsein an. Entsprechend sinnvoll scheint es, die Gesundheitsversorgung geschlechterspezifisch auszurichten. FemTech Entwicklerinnen und Entwickler haben dies erkannt und sorgen mittlerweile für einen lebhaften und nötigen Aufschwung in der Medizin.

Boom des FemTech-Markts und weibliche Kaufkraft

Der FemTech-Markt ist mit seinen technologischen Angeboten für die Frauengesundheit noch jung und bislang unterfinanziert. Allerdings profitiert er stark vom Trend zur digitalen Medizin. Erste Prognosen zeigen, dass der Markt 2025 bereits einen Wert von 50 Milliarden US-Doller haben könnte. Das wird dadurch unterstützt, dass Frauen im Vergleich zu Männern pro Person fast 30 Prozent mehr für gesundheitliche Produkte und Dienstleistungen ausgeben. Die weibliche Kaufkraft sollte entsprechend nicht unterschätzt werden2.

Dennoch ist es für FemTech-Unternehmen oft schwer, sich im Markt zu etablieren. Das liegt u. a. am hohen Anteil männlicher Investoren. Sie bringen weniger Verständnis für Themen der Frauengesundheit auf und können den Mehrwert einzelner Produkte nicht richtig einschätzen. Besserung ist jedoch in Sicht: Mit einer zunehmenden Anzahl von Investorinnen steigen auch die Geldanlagen für FemTech-Startups langsam.

Gewinn für die Frauengesundheit

Gesundheit von Frauen ist für uns alle wichtig, unabhängig von unserem Geschlecht. Ganz einfach deshalb, da geschlechterspezifische Medizin Gesundheitskosten insgesamt senkt und vorhandene Gelder besser eingesetzt werden können.

Mittlerweile gibt es weltweit über 200 von Frauen gegründete und geleitete Startups und Unternehmen, die Frauengesundheit mit Digital Health Technologien verbinden. Indem ihre Ideen und Produkte flächendeckend gefördert werden, könnten FemTech-Produkte schrittweise immer mehr in die digitale Gesundheitsversorgung und -vorsorge eingebunden werden. Gleichzeitig könnten die gewonnenen Daten für Forschungsprojekte dienen und FemTech-Nutzerinnen für die Teilnahme an klinischen Studien rekrutiert werden.

 

Quellen

[1] PitchBook Analyst Note (2020): Femtech Expected to Break New Grounds. Segmenting the rapidly growing femtech venture space. Online unter: www.pitchbook.com/news/reports/q3-2020

[2] Korte, L. (2021): Femtech – Genderspezifische Versorgung mit großem Marktpotenzial. Online unter: www.atlas-digitale-gesundheitswirtschaft.de/femtech-genderspezifische-versorgung-mit-grossem-marktpotenzial

 

Titelbild: sdecoret/Shutterstock.com

Step USA

Was muss beachtet werden, wenn man als deutsches Biotech-Unternehmen auf dem amerikanischen Markt durchstarten möchte? Welche rechtlichen Grundlagen und Herausforderungen sind damit verbunden? Einen Einblick bekamen wir auf der „Step USA Virtual“ vom 28.06. bis 01.07.2021.

Das viertägige Startup Bootcamp fand in New York bzw. für uns coronabedingt virtuell statt. Die Step USA wurde 2014 von der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer New York (GACC NY) ins Leben gerufen und wird zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Frankfurt Main, dem TechQuartier, dem Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, dem Start Hub Hessen, der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) sowie der bm-t beteiligungsmanagement thüringen gmbh organisiert. Aus Deutschland nahmen etwa 40 Unternehmen aus verschiedenen Branchen teil, davon 12 aus Thüringen. Wir gehörten neben der Dynamic42 GmbH, der c-LEcta GmbH und anderen zu den von der bm-t auserwählten Unternehmen.

Geschäftskultur, Rechtslage, Einwanderung: Wie tickt die USA?

Wir lernten im Rahmen dieses Intensivprogramms zahlreiche amerikanische Branchenexperten, Mentoren und Investoren kennen. Sie berieten uns hinsichtlich der Geschäftskultur in den USA, dem Unternehmensmarketing, der Kapitalbeschaffung und den Richtlinien zur Einwanderung. Besonders interessant waren für uns die Rechts- und Steuerthemen, denn diese bilden die Grundlage für unseren geplanten Markteintritt.

Neben theoretischen Coachings wurden wir im Storytelling sensibilisiert. Die Geschäftssprache in Deutschland unterscheidet sich teilweise stark von der amerikanischen.

Gerade in Bezug auf Investoren-Pitches ist es wichtig, darauf zu achten, wie man in der jeweiligen Kultur seine Geschäftsmodelle überzeugend kommuniziert.

Ein besonderes Highlight war die Session mit Susan Lindner zum Thema „Powerful Messaging & Storytelling“. Susan legte auf interaktive Weise dar, dass die Darstellung beim Verkauf eine wichtige Rolle spielt. Vor allem gilt es, die Vorteile für den Käufer stärker hervorzuheben als die Vorteile des eigenen Produktes.

Unser persönliches Fazit

Die vier Tage waren sehr informativ und wir haben viel über die amerikanische Unternehmenskultur, speziell für unsere Branche, gelernt! Wir möchten uns bei den Organisatorinnen Andrea Diewald und Irene Fuchs von der deutsch-amerikanischen Außenhandelskammer für dieses tolle Programm bedanken.

Dennoch ersetzt eine digitale Reise natürlich nicht die Vor-Ort Veranstaltung: Im Herbst soll das Step USA Programm wieder in New York stattfinden – wir hoffen, dass wir dann live dabei sein können.

Seitdem Anfang 2020 die Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung in Deutschland um einen routinemäßigen HPV-Test für Frauen ab 35 ergänzt wurde, sehen sich mehr Personen mit einem positiven Testergebnis konfrontiert. Wichtig ist vorab, dass dies keinen Grund zu Panik darstellt. Ein positives Testergebnis ist nicht mit einer Krebsvorstufe oder gar Krebs gleichzusetzen. Vielmehr infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal in ihrem Leben mit Humanen Papillomaviren (HPV). In 90 Prozent der Fälle heilen die Infektionen von allein wieder aus. Ist ein HPV-Test positiv, wird dadurch also nicht direkte eine aufwändige Behandlung notwendig. Zuerst ändert sich nur der Kontrollrhythmus: Anstelle von drei Jahren wird bereits nach zwölf Monaten ein weiterer HPV-Abstrich durchgeführt. Es gilt zunächst, Ruhe zu bewahren. (Wie man zu schneller Gewissheit gelangt, besprechen wir am Ende des Blogbeitrags).

Was bedeutet HPV positiv?

Ein positiver HPV-Test weist auf eine klinisch relevante HPV-Infektion am Gebärmutterhals hin. Damit ist ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Gewebeveränderung verbunden. Diese Veränderungen entwickeln sich sehr langsam und über Jahre hinweg. Ein einmalig positiver HPV-Test sagt deshalb nichts über eine Krebserkrankung aus – er weist lediglich eine vorliegende Virus-Infektion nach1.

Ist der erneute HPV-Abstrich nach einem Jahr ebenfalls positiv, folgt innerhalb von drei Monaten eine sogenannte Kolposkopie. Dabei wird mit einer speziellen Lupenvergrößerung abgeklärt, ob Gewebeveränderungen vorliegen2.

Bei ungefähr zehn Prozent der Infizierten kann der Körper HPV nicht selbst erfolgreich bekämpfen. In diesen Fällen können sich Gewebeveränderungen entwickeln, die Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs entsprechen oder sich im Verlauf zu Krebs entwickeln3. In Zahlen trifft dies auf 4.500 Personen von bis zu 500.000 zu, die jährlich ein auffälliges Testergebnis erhalten. Daher ist es wichtig, Vorsorgetermine wahrzunehmen.

Unterscheidung von Hoch- und Niedrigrisiko HPV-Typen

Inzwischen sind über 200 verschiedene HPV-Arten bekannt. Gebärmutterhalskrebs oder Genitalwarzen werden von etwa 40 HPV-Typen ausgelöst4. Sie sind in zwei Kategorien unterteilt:

  • Die Niedrigrisikotypen können lästige und wiederkehrende Genitalwarzen verursachen. Diese lassen sich durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten (z.B. Salben, Vereisung, Lasertherapie) gut therapieren5.
  • Wird einer der Hochrisikotypen festgestellt, ist die regelmäßige Nachkontrolle auf Zellveränderungen essenziell. Vor allem am Gebärmutterhals können die HPV High-Risk-Typen zu Krebserkrankungen führen. Darüber hinaus stellen sie einen möglichen Auslöser für Kopf-Hals-Tumoren

Generell gilt es zu beachten, dass eine HPV-Infektion selbst nicht behandelt werden kann. Allerdings sollten die jeweiligen Auswirkungen im Auge behalten und Gewebeveränderungen behandelt werden.

HPV: Partnerschaft nicht zwingend betroffen

Die erstmalige Diagnose einer HPV-Infektion im Rahmen der neuen Vorsorge wirft häufig Fragen auf. Da im Moment keine regelmäßigen Tests auf HPV bei Männern vorgesehen sind, werden Infektionen primär durch die Krebsvorsorge bei Frauen festgestellt. Zentral ist zu wissen, dass die Infektion schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten vorliegen kann. Kein Testverfahren kann die Frage beantworten, wann es zu einer Infektion kam. Sie spielt für den Verlauf der normalerweise harmlos verlaufenden Infektion auch keine Rolle. Die Frage wer wen in einer Partnerschaft angesteckt hat, ist ebenfalls kaum zu klären. Das liegt daran, dass die HP-Viren in der Bevölkerung insgesamt weit verbreitet sind. Dementsprechend kann sich HPV trotz fester Partnerschaft bemerkbar machen.

In neuen Partnerschaften lässt sich das Risiko einer Ansteckung beispielsweise durch den Einsatz von Kondomen beim Geschlechtsverkehr verringern. Eine weitere Möglichkeit der Vorsorge besteht in der Impfung gegen einige der krebserregenden HPV-Typen6.

Schnelle Gewissheit durch GynTect

Natürlich kann die Wartezeit zwischen den Kontrollterminen belastend sein. Eine Studie unter Co-Autorschaft unserer Geschäftsführenden Dr. Alfred Hansel und Dr. Martina Schmitz ergab, dass die psychische Belastung in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge sogar zu Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung führen kann7.

Um diese unklare Situationen schnellstmöglich aufzulösen, haben wir GynTect entwickelt. Der molekularbiologische Gebärmutterhalskrebstest ist in der Lage, eine Krebserkrankung bereits in ihren Vorstufen zu erkennen. Für die Durchführung ist ein gynäkologischer Abstrich beim Frauenarzt ausreichend.

Fragen Sie den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch garantiert er die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Informationen. Er ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt und darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens!

 

Quellen

[1] Projektgruppe ZERVITA (Hrsg.): HPV-Test.

[2] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) (2021): HPV-positiv: Was nun?

[3] und [4] Dr. med. Katharina Anstett (2020): HPV-Nachweis (Positive Testung auf ein Humanes Papillomavirus).

[5] Robert Koch Institut: Erläuterungen zum Befund Ihres HPV-Tests.

[6] Dr. med. Katharina Anstett (2020): HPV-Nachweis (Positive Testung auf ein Humanes Papillomavirus).

[7] Jentschke, M., Lehmann, R., Drews, N., Hansel, A., Schmitz, M., Hillemanns, P. (2020): Psychological distress in cervical cancer screening: results from a German online survey. Archives of Gynecology and Obstetrics, 3/2020, 699-705.

Titelbild: Image Point Fr / Shutterstock.com

Anfang Mai ging es turbulent zu, denn wir zogen in neue Büro- und Laborräume. Unser Standort befindet sich jetzt im Gewerbezentrum Jena in der Löbstedter Straße 41. Mit dem Umzug schaffen wir mehr Platz und Möglichkeiten für unser Unternehmenswachstum sowie für die Steigerung unseres (internationalen) Vertriebs.

Mit dem ersten Umzug seit Firmengründung in 2012 schufen wir mehr Raum für ein wachsendes Team, was in den bisherigen Räumlichkeiten des Bio-Instrumentezentrums (BIZ) Jena nicht möglich gewesen wäre.

Neue Büroräume von oncgnosticsZudem benötigten wir bessere Laborbedingungen, um die Forschung sowie die Produktion effizienter zu gestalten. Nun können wir dem steigenden internationalen Interesse an GynTect besser begegnen, das sich z. B. in der Kooperation mit EuroImmun und der Zusammenarbeit mit unseren chinesischen Partnern zeigt.

Unser neuer Standort ist mit 352m² doppelt so groß wie die Fläche im BIZ. Mit zwei geräumigen Büros sowie einem eigenen Konferenzraum muss niemand mehr neben den lauten Geräten im Labor seinen Schreibplatz beziehen.

Umzug: Erweiterte Laborräume und neue Pausenplätze

Besonders praktisch ist die neue Aufteilung der Labore. Zumal wir die Aufgabenbereiche durch ein weiteres, viertes Labor nun noch besser koordinieren können. Während sich die Labore für Forschung & Entwicklung und für PCR-Testungen wie unsere Büros auf der zweiten Etage befinden, sind die Labore für unsere Produktion in der Kelleretage – die tägliche Sporteinheit ist somit in den Arbeitsalltag integriert. Nun haben wir endlich mehr Platz für unser Laborequipment bzw. für die Erweiterung unserer Geräte.

Neuer Aufenthaltsraum mit Blick auf den JenTowerGenerell fühlten sich die Räume dank des Geruchs nach frischer Farbe und den neuen Möbeln bereits nach wenigen Tagen wohnlich an. Dabei ist der gemütliche Aufenthaltsraum gleich der neue Lieblingsort geworden. Hier machen wir entspannt gemeinsam Pause und können uns auch abseits der Arbeitsthemen austauschen.

Bei gutem Wetter verschlägt es uns zur Mittagszeit nach draußen auf unsere eigene Waldschänke im Hof. Diese steht direkt neben der von unserem Nachbarn 3di. Das Unternehmen ist auch gerade erst in das Gebäude eingezogen. Die Mitarbeitenden stellen Implantate, also Medizinprodukte her. Sie sind damit ebenfalls in der Medizintechnikbranche tätig und ticken in Bezug auf regulatorische Anforderungen ähnlich wie wir.

Der neue Standort bringt unserem Unternehmen und unseren Mitarbeiterinnen weitere Vorteile: Neben der Nähe zum Stadtzentrum und besseren Parkmöglichkeiten gewährleistet er auch in der jetzigen Coronazeit ausreichend Arbeitsfläche für alle gleichzeitig.

In den Gesprächen im Team zeigt sich, dass wir durch den Umzug optimal ausgestattet und motiviert sind, um neue Etappen in unserer Unternehmensgeschichte anzugehen.

Ausschnitt einer Folie des Fachvortrags von Anna-Bawany Hums zur Eurogin 2021

Molekularbiologische Testverfahren wie wir sie entwickeln, bieten in der HPV-bezogenen Krebsvorsorge vielversprechende Chancen. Um uns über die aktuelle Forschung zu diesem Thema mit anderen Expertinnen und Experten auszutauschen, nehmen wir regelmäßig an Fachkonferenzen teil. So zuletzt an der Eurogin, der EEN und der Bionnale.

Auf dem virtuellen Fachkongress Eurogin 2021 stellten wir dieses Jahr unseren Gebärmutterhalskrebstest GynTect und den Assay in der Kopf-Hals-Tumordiagnostik vor, die alle auf dem Nachweis epigenetischer Veränderungen basieren.

„Es ist schön, mit den Kollegen aus der Branche und den Medien wieder in Kontakt zu treten. Auch, wenn dies zurzeit nur digital möglich ist. In unserer täglichen Arbeit merken wir, dass das Thema der Krebsvorsorge stetige Innovationen braucht, damit Betroffene zügig Gewissheit über ihren Krankheitsstatus erhalten und Therapiemaßnahmen schneller greifen können. Austausch und Kooperationen auf Fachkonferenzen sind dafür essenziell“, erzählt Geschäftsführerin Dr. Martina Schmitz.

Gemeinsam mit unserer Mitarbeiterin Anna-Bawany Hums brachte sie zwei Online-Vorträge in das Konferenzprogramm ein. Anna-Bawany Hums sprach über das aktuelle Forschungsprojekt zu Kopf-Hals-Tumoren, von dem oben ein Ausschnitt zu sehen ist. Martina Schmitz berichtete hingegen von einer zurzeit laufenden GynTect-Studie.

Virtuelle Fachkongresse brachten interessante neue Kontakte

 „Auf in die Welt“ war das Motto des Online-Events des Enterprise Europe Network, bei dem wir uns Anfang Mai als eines von fünf Unternehmen präsentieren durften. Wir sind seit vielen Jahren Teil des Netzwerkes und profitieren immer wieder von dem thematischen Input z. B. zu Themen des EU-Binnenmarkts oder der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle.

Weiterhin nahm unser Head of Business Development and Licensing Dr. Peter Haug an der Networking-Veranstaltung für die Life Sciences und Healthcare-Branche Bionnale teil. Hier kommen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die nach gemeinsamen Entwicklungs- oder Forschungsmöglichkeiten suchen, mit innovativen Startups und Investoren zusammen. In dem virtuellen Format konnten wir in 1:1-Meetings interessante neue Kontakte vor allem zu Forschungsaspekten knüpfen.

Junge Frau liegt auf dem Sofa und leidet an Unterleibsschmerzen.

Vulvakrebs ist die vierthäufigste gynäkologische Krebserkrankung1. Seit Beginn der 2000er Jahre wurde in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Neu­erkrankungs- und eine leicht steigende Sterberate bösartiger Tumoren der Vulva und Vagina beobachtet. Auf diesem hohen Niveau stabilisieren sich die Zahlen in den letzten zehn Jahren2. So treten jährlich etwa 3.580 neue Vaginal- und Vulvakrebserkrankungen auf, wovon knapp 90 Prozent die Vulva betreffen3. Vor allem bei jungen Betroffenen sind häufig Humane Papillomaviren (HPV) der Auslöser der Erkrankung. Ein Screening zur Früherkennung gibt es noch nicht, was unserer Meinung nach ein großes Versäumnis ist. Im Rahmen eines Pipelineprojekts forschen wir an der Entwicklung eines Früherkennungsverfahrens für die Krankheit.

Was versteht man unter Vulvakrebs?

Vulvakrebs ist eine bösartige Erkrankung des äußeren weiblichen Genitals. Oft setzt sie an den großen Schamlippen, seltener auch an den kleinen Schamlippen oder der Klitorisregion an4. Die Karzinome gehen dabei in den meisten Fällen von der Hautoberfläche oder den Schleimhäuten aus.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Formen:

  • Verhornende Karzinome machen 50 bis 80 Prozent der Erkrankungen aus. Sie treten mit steigendem Lebensalter häufiger auf, was sich auch daran zeigt, dass das mittlere Erkrankungsalter bei 72 Jahren liegt5.
  • Nichtverhornende Karzinome betreffen meist jüngere Frauen. Der Krebs und seine Vorstufen werden hier häufig durch eine chronische Infektion mit HPV ausgelöst. Die Erkrankung kann dann zusätzlich mit Gebärmutterhalskrebs und Anuskarzinomen assoziiert sein6.

Vulvakrebs: Symptome anfangs oft unscheinbar

Juckreiz, Brennen beim Wasserlassen oder kleine Veränderungen der Haut – die ersten Anzeichen der Krankheit sind sehr unspezifisch. Umso wichtiger ist es, auch scheinbar harmlose Auffälligkeiten bei den frauenärztlichen Vorsorgeuntersuchungen anzusprechen. Denn zurzeit können die Fachkräfte nur so auf die Krankheit aufmerksam werden und im Zweifel Vulvakrebs erkennen7.

„Das ist natürlich zu sehr dem Zufall überlassen und oft auch zu spät“, meint unsere Mitarbeiterin Kristina Wunsch. Sie führte bereits erste Versuche zur Entwicklung eines spezifischen Tests für Vaginal- und Vulvakarzinome durch.

Entwicklung einer gezielten Früherkennung

Genau wie für unseren Test auf Gebärmutterhalskrebs wollen wir ein Verfahren entwickeln, dass die durch HPV ausgelösten Krankheitsfälle sicher und frühzeitig erkennt. Dies ist durch den Nachweis von Methylierungsmakern möglich, die bei Vulva- und Vaginalkrebs sowie deren Vorstufen auftreten, nicht aber in gesundem Gewebe.

„Die Früherkennung ist für den Krankheitsverlauf essenziell. 2016 starben in Deutschland etwa 930 Frauen an Vulvakarzinomen und weitere 190 an Vaginalkrebs. Diese Zahlen gilt es zu senken. Durch ein frühzeitiges Erkennen der Krankheitsfälle können Therapien früher greifen und die Genesungschancen erhöht werden“, so Kristina Wunsch.

 

Fragen Sie den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch garantiert er die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Informationen. Er ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt und darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens!

 

Quellen

[1] Deutsche Krebsgesellschaft (2018): Vulvakrebs, Vulvakarzinom.

[2] Zentrum für Krebsregisterdaten (2021): Krebs der Vulva (Vulvakarzinom).

[3] Buttmann-Schweiger, N., Barinoff, J., Waldmann, A. et al. (2019): Epidemiologie der Krebserkrankungen von Vulva und Vagina in Deutschland. Onkologe 25, 396–403.

[4][6] Deutsche Krebsgesellschaft (2018): Vulvakrebs, Vulvakarzinom.

[7] Berufsverband der Frauenärzte e. V. (Hrsg.) (2018): Vulvakrebs / Vulvakarzinom.

 

Titelbild: Andrey Popov/Shutterstock.com

Claudia Braunstein ist eine Langzeitüberlebende: Sie überlebte Krebs. Der Besuch beim Zahnarzt sollte im Juli 2011 ihr Leben von einem Moment auf den anderen verändern – aber auch retten. Wegen eines ausgefallenen Inlays suchte Claudia Braunstein ihren Arzt auf. Bei der Gelegenheit zeigte die Österreicherin dem Mediziner eine Stelle an ihrer Zunge, die sie sich regelmäßig aufbiss. Dieser zögerte nicht lange und überwies die damals 48-Jährige umgehend an einen Spezialisten. Nur eine Woche später erhielt Claudia Braunstein die Diagnose: Plattenepithelkarzinom – Krebs am rechten Zungenrand. Claudia Braunstein begann zu kämpfen und siegte über den Krebs.

Frau Braunstein, ab wann gilt ein Krebspatient als geheilt? Sie bezeichnen sich selbst außerdem als Langzeitüberlebende. Was war für Sie der Startpunkt?

Seit dem Tag, an dem ich aus der Onkologie in das Archiv gewandert bin. So formulierte es meine Ärztin und meinte damit meine Akten. Das bedeutet, dass ich fünf Jahre nach der Behandlung keinen Rückfall hatte. Ich bin aus der Abteilung raus und habe erstmal hemmungslos geweint. Das war also 2016.

Die Diagnose Krebs war für Sie damals überraschend. Hatten Sie vorher keine Ahnung, dass etwas nicht stimmen könnte?

Es gab wohl Anzeichen, aber ich wusste diese vorher nicht einzuordnen. Viele Menschen mit der gleichen Erkrankung sind alkoholkrank oder Raucher. In meinem Fall wurde der Krebs allerdings vermutlich durch HPV, Humane Papillomviren, ausgelöst. Was sich gleich noch an einer 2. Diagnose zeigte. Denn bei mir wurde außerdem noch beginnender Gebärmutterhalskrebs festgestellt. Auch diese Krebsart wird durch HPV ausgelöst.

Eine Woche nach ihrem Zahnarztbesuch hatten Sie die Diagnose Krebs am rechten Zungenrand. Was folgte dann?

Mir wurde ein Teil der beweglichen Zunge entfernt und durch ein Implantat ersetzt. Es folgten Bestrahlung und Chemotherapie. Ich hatte einen starken Gewichtsverlust, da ich die Sondenernährung ablehnte. Zeitweise war ich ein einhundertprozentiger Pflegefall. Mein Arzt leitete dann gegen meinen Willen entsprechende Maßnahmen ein. Heute bin ich ihm sehr dankbar dafür. Die Sonde abzulehnen war ein Irrtum von mir. Ich konnte auch gar nicht mehr sprechen. Das ist für jemanden, der ständig den Mund offen hat, eine dramatische Situation.

Was hat Ihnen geholfen, die Behandlung durchzustehen?

Die größte Stütze war die Familie. Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, in einem stabilen Umfeld zu leben. Ich würde es keinem Angehörigen raten, aber mein jüngster Sohn sagte zu mir: „Mama, reiß dich zusammen, wir brauchen dich noch.“ Das war für mich ein Antrieb. Ich wusste, die brauchten mich noch als Person.

Nun gelten Sie als krebsfrei, sogar als Langzeitüberlebende. Wieviel Raum nimmt die Krankheit noch immer in Ihrem Leben ein?

Das Thema Krebs wird immer bei mir sein. Zum einen beruflich, ich verdiene auf meinem Blog mit dem Thema auch Geld. Dann habe ich immer noch tagtäglich mit den Folgen der Krebserkrankung zu tun. Wenn ich ausgehe, muss ich mich vorbereiten. Denn ich habe eine Dysphagie, eine Schluckstörung. Das tägliche Essen, wenn ich meinen Löffel an den Mund führe, erinnert mich immer daran. Dann bin ich auch sprachlich eingeschränkt. Ich muss mich ständig erklären. Oft wird eine sprachliche Behinderung mit einer geistigen Behinderung gleichgesetzt. Da würde ich mir wünschen, die Leute würden fragen, warum reden Sie so merkwürdig?

Auch wenn Sie als krebsfrei, ja Langzeitüberlebende gelten, müssen Sie immer noch regelmäßig zur Nachsorge. Wie geht es Ihnen damit?

Ja, ich muss alle 6 Monate zur Kontrolle. Ich gehöre zur seltenen Spezies, die gerne zur Nachsorge geht. Mir wird dort sehr viel Empathie entgegengebracht, ich werde dort auch als Vorzeigepatientin herumgereicht. Außerdem gehe ich so hin: Meine Nachsorgeuntersuchungen sind nur die Bestätigung meines letzten Zustands. Es ist doch schade, wenn man sich die Energie selber nimmt.

Hat sich Ihre innere Einstellung seit Ihrer Krebserkrankung geändert? Wenn Sie sich selbst als Langzeitüberlebende sehen, was bedeutet das für Sie?

Ich empfinde viel Dankbarkeit und Demut. Ich bin auch dankbar in einem Land zu leben, das medizinisch so ausgezeichnet aufgestellt ist und bei dem so viele Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden. Ich gebe sehr viel. Ich berate andere Patienten mit derselben Erkrankung unentgeltlich. Dafür habe ich eine psychoonkologische Ausbildung gemacht. Aber ich verdiene auch Geld mit meiner Erkrankung.

Welchen allgemeinen Ratschlag geben Sie Krebspatienten oder Krebs-Überlebenden mit auf den Weg?

Man kann mental viel machen, indem man das Positive sieht. Ich versuche unwichtige und negative Dinge soweit es geht wegzuschieben. Positives Denken funktioniert nicht – aber eine positive Grundeinstellung. Das kann man lernen. Ich kann morgens aufwachen und aufzählen, was ich alles nicht kann, oder ich kann aufzählen, was alles schön ist!

Liebe Frau Braunstein, vielen Dank für das Gespräch!

 

Titelfotos: Claudia Braunstein/Verlag Anton Pustet

Bereits bevor die eigentliche Entwicklung beginnt, melden Unternehmen und Forschungseinrichtungen ein Patent auf ihre Erfindung an. Am heutigen Welttag des geistigen Eigentums berichtet unsere Geschäftsführerin Dr. Martina Schmitz über das Vorgehen und von der besonderen Bedeutung von Patenten in der Medizinbranche.

Warum sind Patente wichtig für oncgnostics?

Mit erteilten Patenten genießen wir als InhaberInnen einen exklusiven Schutz für unsere eingereichte Erfindung. Forschung und Entwicklung sind zentrale Bestandteile unserer Arbeit, sodass der Schutz der Erfindungen ebenso gewährleistet sein muss. Die Schutzrechte geben uns und unseren InvestorInnen die Sicherheit, dass die entwickelte Technologie uns gehört und nur von uns genutzt werden darf. Dies ist aufgrund der hohen Entwicklungskosten entscheidend. Patente sind damit elementarer Bestandteil unseres Unternehmenswertes – ohne sie geht nichts.

Welche Schutzrechte wurden bisher angemeldet und erteilt?

Für unseren Gebärmutterhalskrebstest GynTect® meldeten wir in 2009 und 2017 jeweils eine Patentfamilie an. In Europa, Japan und den USA wurden Teile dieser bereits bewilligt. Für unsere Forschung zu Krebserkrankungen im HNO-Bereich läuft der Prozess für ein Patent ebenfalls. Generell schützen wir mit den Patenten die Methylierungsmarker, die wir für die Diagnostik der jeweiligen Erkrankungen wie z. B. Kopf-Hals-Tumoren einsetzen.

Wie läuft die Erteilung eines Patents ab?

Der Vorgang ist sehr komplex und dauert oft viele Jahre. Diese fünf Schritte verdeutlichen den groben Ablauf:

  1. Patentierbarkeit einer Entwicklung: Wir recherchieren sowohl die Patent- als auch die wissenschaftliche Literatur um herauszufinden, ob unser zu patentierender Gegenstand schützbar ist.
  2. Anmeldung des Patents: Wir melden unsere Patente gemäß dem Vertrag über die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Patentwesens (PCT) an.
  3. Ein internationaler Recherchebericht wird erstellt, der sich zum Neu- und Innovationswert des Patents äußert.
  4. Nationalisierung: Spätestens 30 Monate nach erfolgter Anmeldung wird bestimmt, für welche Länder der Patentschutz gelten soll. In den betreffenden Ländern wird ein Prüfantrag gestellt. Neben den zu entrichtenden Gebühren werden dabei häufig auch Übersetzungen vorgenommen, da viele Behörden die Berichte nur in der jeweiligen Landessprache akzeptieren.
  5. Prüfung: Jedes Land prüft einzeln, ob die angemeldete Erfindung patentfähig ist. Bis ein Patent flächendeckend erteilt wird, dauert es deshalb mehrere Jahre.

Wie groß ist die Gefahr der „Produktpiraterie“ in der Branche?

Tatsächlich ist die Situation in unserer Branche nicht besonders kritisch. Denn selbst wenn unsere Technologien geklaut oder kopiert werden würden, müssten die zugehörigen Marktzulassungsprozesse durchlaufen werden. Diese sind sehr zeit- und kostenintensiv, da beispielsweise eine Studie durchgeführt werden muss. Spätestens davon würden wir Wind bekommen – denn achtsam sind wir in diesem Bereich natürlich immer.

 

Foto: Adobe Stock / Bacho Foto

Unser Laboralltag in Coronazeiten

Wie sieht der Alltag im Labor bei oncgnostics aus? Bereits 2018 gaben wir einen Einblick in unsere Arbeitsstätte, in der wir tüfteln, entwickeln, produzieren und analysieren. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie veränderten sich auch bei uns die Arbeitsabläufe. Zum heutigen Welttag des Labors zeigen wir, wie die Abläufe aktuell gestaltet sind.

Die Nachfrage nach unseren GynTect® Diagnostik-Kits zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs hat sich seit 2018 deutlich erhöht und es wurde mehr produziert. Ebenso stieg der interne Verbrauch der GynTect® Kits, denn wir bieten unseren KundInnen Inhouse-Analysen an. Zum anderen geben wir trotz der besonderen Umstände StudentInnen weiterhin die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit bei uns zu schreiben. Auch hierfür kommen GynTect® Kits zum Einsatz.

Zurzeit besteht das Laborteam aus sechs MitarbeiterInnen mit wechselnder Besetzung, um Hygienevorschriften und Abstände einhalten zu können. Alle MitarbeiterInnen sind vor Ort gleichermaßen in der Produktion, in der Forschung und Entwicklung (F&E) und im PCR-Labor tätig.

Arbeiten in Zeiten von Corona

Allgemein hat jede/r aus dem Team zwei feste Präsenztage pro Woche, sodass im Falle einer Infektion nicht die ganze Firma in Quarantäne muss. Außerdem testet sich jede/r zu Beginn der Woche mit einem Corona-Schnelltest.

Am Arbeitsplatz gelten die allgemeinen Hygienemaßnahmen: Hände waschen, Abstand halten, Maske tragen und lüften. Außerdem desinfizieren wir regelmäßig die Türklinken und Telefone, die wir gemeinsam nutzen. Vor allem beim Mittagessen merken wir, dass sich unser Alltag geändert hat: Wir halten Abstand oder essen getrennt voneinander.

Wer nicht zwingend praktisch zu tun hat, meidet trotz aller Hygienemaßnahmen die Räumlichkeiten vor Ort und bleibt im Home-Office. So verlagern sich Tätigkeiten wie die Planung von Versuchen und Auswertung von Experimenten in die Heimarbeit. Wir sind diesbezüglich mittlerweile eingespielt. Die Kommunikation ist dadurch nicht abgerissen, da wir Meetings nun virtuell über unsere Gruppen-Tools halten und regelmäßig telefonieren.

Alltag im Labor: Absprachen sind das A und O

Unter den aktuellen Corona-Bedingungen sind Absprachen wichtiger denn je: Auf 10m2 darf sich nur eine Person bewegen. Das bedeutet, dass sich zurzeit nur drei Personen gleichzeitig den Raum für F&E aufhalten dürfen. Gleiches gilt für das Produktionslabor. Falls doch mehr Personen praktisch tätig sein müssen oder während der Produktion den Abstand nicht gewahrt werden kann, tragen wir Masken.

Normalerweise gibt es feste Sitzplätze im F&E-Labor. Obwohl das Labor grundsätzlich genug Platz für paralleles Arbeiten bietet, sprechen wir uns im Vorfeld immer ab, um eine Überbelegung zu vermeiden. Damit alle ihre geplanten Labortätigkeiten vor Ort durchführen können, ist eine gute Kommunikation nötig. Dazu gehört zum Beispiel die Organisation der Belegung von Laborgeräten, was reibungslos klappt.

Die coronabedingten Hygienemaßnahmen erschweren die Abläufe im PCR-Labor

Im PCR-Labor waren die Sicherheitsvorkehrungen unabhängig von Corona schon immer sehr streng. Hat eine Kollegin beispielsweise das PCR-Labor einmal betreten, so darf sie an diesem Tag nicht mehr in das Produktionslabor. Das liegt daran, dass im PCR-Labor die DNA-Vervielfältigung der Biomarker stattfindet. Diese DNA darf auf keinen Fall mit den Komponenten und Chemikalien, die bei der Herstellung von GynTect® im Produktionslabor zum Einsatz kommen, in Berührung kommen. Es besteht hier Kontaminationsgefahr. Mit dieser Regelung werden also die im Produktionslabor hergestellten GynTect® Kits absolut sauber gehalten. Uns an strikte Hygienevorschriften zu halten, sind wir deshalb schon gewohnt.

Da sich mit der Einführung der Corona-Maßnahmen nun aber deutlich weniger MitarbeiterInnen vor Ort befinden, erschwert dies manchmal die Organisation der Produktionsabläufe. Es kommt vor, dass viele Arbeiten im PCR-Labor anstehen und danach einige KollegInnen die Produktion nicht mehr betreten dürfen. Tage, an denen die Produktion besetzt sein soll, müssen also vorher gut geplant werden, da an einem Herstellungsprozess mindestens drei MitarbeiterInnen beteiligt sind.

Mittlerweile ist die Umsetzung der Maßnahmen Routine für uns geworden. Aus der Teilung in Home-Office und praktisches Arbeiten konnten wir sogar Vorteile ziehen: Für einige entfällt der lange Arbeitsweg an Home-Office-Tagen und die freie Zeiteinteilung der Arbeit zuhause erleichtert den Corona-Alltag. Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf eine Zeit, in der eine freie Begegnung mit allen KollegInnen wieder möglich ist.

Das Biotechnologie-Unternehmen oncgnostics GmbH forscht gemeinsam mit der klinischen Abteilung für allgemeine HNO der Medizinischen Universität Graz im Rahmen der Studie „OroCa-Graz“ an einem Verfahren zur Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren. 550.000 Menschen erkranken weltweit jährlich an Karzinomen dieser Art. Da oft erst fortgeschrittene Tumorstadien diagnostiziert werden, sterben über 300.000 der Betroffenen pro Jahr. Die Studie möchte nachweisen, dass das entwickelte Diagnostikverfahren für Kopf-Hals-Tumoren und speziell Mund-Rachenkrebs (= Oropharynxkarzinom) anhand von nicht-invasiven Speichelproben bösartige Tumoren frühzeitig und sicher erkennen kann.

Übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum zählen zu den Hauptrisikofaktoren für Kopf-Hals-Tumoren. Daneben wurden in den letzten Jahren verstärkt Karzinomfälle im Mund-Rachen-Bereich verzeichnet, bei denen eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) vorlag. Die Rate an diesen HPV-assoziierten Karzinomen steigt jährlich um 2,1 Prozent. Nicht-HPV-assoziierte Kopf-Hals-Karzinome sanken im gleichen Zeitraum leicht um 0,4 Prozent[1]. In Deutschland wird von einem derzeitigen Anteil von 40 Prozent HPV-induzierter Erkrankungen ausgegangen, Tendenz steigend[2].

Die Studienleitung der „OroCa-Graz“-Studie liegt bei Prof. Dr. Dietmar Thurnher, Abteilungsleiter der Allgemeinen HNO der Medizinischen Universität Graz. Er erklärt: „Trotz zunehmender Fälle erzielte die Therapie von Kopf-Hals-Tumoren in den letzten 20 Jahren keine wesentlichen Fortschritte. Zusätzlich zu den Neuerkrankungen kehrt bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten in den zwei Jahren nach Therapieabschluss der Krebs als sogenanntes Tumorrezidiv zurück. Zudem ist für Kopf-Hals-Tumoren bislang keine Frühdiagnostik etabliert. Das wollen wir ändern. Indem wir Oropharynxkarzinome, HPV-Infektionen und DNA-Methylierungsmarker in ihrer Beziehung zueinander untersuchen, entstehen neue Wege der Frühdiagnostik sowie der Sekundär- und Tertiär-Prävention.“

Die Sekundärprävention richtet sich an Personen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko, zum Beispiel RaucherInnen. Mit Vorsorgeuntersuchungen, Abklärungs- und Screeningtests könnten bösartige Erkrankungen besonders in Risikogruppen frühzeitig diagnostiziert oder Auffälligkeiten abgeklärt werden. Bislang wird dabei der Rachen nur inspiziert, wenn bereits Beschwerden auftreten. Maßnahmen der Tertiärprävention richten sich an TumorpatientInnen, die sich nach einer Therapie in regelmäßiger klinischer Nachsorge befinden.

„OroCa-Graz“: Studienablauf

Im Rahmen der „OroCa-Graz“-Studie werden Gewebe- und Speichelproben von PatientInnen mit einem Oropharynxkarzinom vergleichend untersucht. Über die Abgabe einer einfachen Speichelprobe sollen Beschwerden im Kopf-Hals-Bereich später abgeklärt werden können. Der Nachweis einer bösartigen Erkrankung erfolgt über die Detektion von tumorspezifischen DNA-Methylierungsmarkern, die von oncgnostics entwickelt wurden. Zudem wird der HPV-Status aller Proben bestimmt. Anhand dieser Ergebnisse analysieren die WissenschaftlerInnen, wie sensitiv die Tumorerkennung durch die Methylierungsmarker ist und ob ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Tumormarker und einer HPV-Infektion besteht.

Weitere Speichelproben werden während der Nachsorge entnommen. Die Idee ist, dass Tumormarker, die bereits im Primärtumor nachgewiesen wurden bei der Entstehung von Rezidiven erneut auftreten. Werden die Tumormarker in der Nachsorge nachgewiesen, kann entsprechend frühzeitig eingeschritten werden.

Forschung an DNA-Methylierungsmarkern seit 2012

Die oncgnostics GmbH beschäftigt sich seit ihrer Gründung 2012 speziell mit der Suche nach DNA-Methylierungsmarkern, auch für Kopf-Hals-Tumoren. Bisher wurde für die Erkrankung ein Set an potentiellen Tumormarkern anhand von Gewebe- und Abstrichproben etabliert. Einer dieser Tumormarker findet bereits Anwendung in der Diagnostik von Gebärmutterhalskrebs im Test GynTect®.

„Änderungen im DNA-Methylierungsmuster entstehen frühzeitig in der Tumorentwicklung. Über den Nachweis unserer krebsspezifischen Biomarker können wir daher beispielsweise prüfen, ob Krebsvorstufen vorliegen. Die Anwendung könnte zukünftig ein leistungsstarkes Werkzeug für die frühzeitige Erkennung im Rahmen einer Krebsvorsorge darstellen sowie als Teil der Nachsorgeuntersuchung bei Oropharynxkarzinomen gelten“, so Dr. Martina Schmitz, Geschäftsführerin der oncgnostics GmbH.

[1] Universität Leipzig (2020): Oropharynxkarzinom: Gute Prognose – aber nicht für alle Patienten. Online unter: https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/news/nachrichten/bunte-welt/oropharynxkarzinom-gute-prognose-aber-nicht-fuer-alle-patienten

[2] Wagner S. et al. (2018): Das HPV-getriebene Oropharynxkarzinom – Inzidenz, Trends, Diagnose und Therapie. In: Der Urologe 57:1457–1463. Online unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28713770/