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Von heute auf morgen kann die Welt aufgrund einer bitteren Diagnose zusammenbrechen: Krebs. Viele Betroffene wissen nicht, was auf sie zukommt und wie sie am besten mit der Situation umgehen. In Selbsthilfegruppen finden sie einen Ort, an dem sie sich gegenseitig seelisch stützen, Fragen zum Krebs beantwortet bekommen und Tipps sowie Erfahrungen austauschen. Wir haben uns über das Thema mit Dirk Rohde unterhalten, der nach überstandener Krebserkrankung Ende 2016 eine Krebs-Selbsthilfegruppe gründete. Diese trifft sich monatlich im Kölner Dysphagiezentrum.

Du bist nicht allein

In der Selbsthilfegruppe kommen Menschen zusammen, die an Krebs erkrankt sind oder kranke Angehörige haben. Alle Teilnehmenden kommunizieren hier auf Augenhöhe über ein Thema, das alle gemeinsam haben. „Wenn jetzt jemand Kopf-Hals-Mund-Krebs hat, der Probleme mit dem Schlucken, Sprechen oder Aussehen hat, weil Kopf-hals-Mund-Krebs auch entstellt, dann können sich gesunde Menschen das schwer vorstellen, wie belastend das sein kann. Aber jemand, der diese Erkrankung und diese psychischen Ängste auch durchgemacht hat, hat eine andere Empathie für diese Gespräche. Da hören wir einander zu. In der Selbsthilfegruppe spüren die Mitglieder, dass sie ernst genommen werden und nicht alleine sind. Dadurch entsteht ein Wir-Gefühl. Gleiche Interessen, gleiche Probleme. So können die Mitglieder sich stützen und unterstützen“, so Dirk Rohde.

Selbsthilfegruppen aufsuchen

Der Zeitpunkt, wann Betroffene und Angehörige eine Selbsthilfegruppe aufsuchen, variiert in jeder individuellen Situation. Manche wollen zeitnah nach der Diagnose eine Zuflucht finden und sich beraten lassen. Andere möchten nach der Therapie einer Selbsthilfegruppe beitreten, da sie während der Strahlen- und Chemotherapie keine Kraft dafür haben.

Zweiteres war bei Dirk Rohde der Fall: „Ich war damit befasst, die Therapie durchzustehen – ich hätte einfach keine Kraft gehabt. Aber nach Ende der Therapie, als ich Zuhause war, da war dann absolute Stille, keine Arztbesuche mehr, nichts. Und dann fangen die Gedanken an zu wandern. Irgendwann kann man wieder anfangen einkaufen zu gehen, nach ein paar Wochen Auto fahren. Das war die Zeit, in der ich mich persönlich nach einem Austausch sehnte. Ich war seelisch und körperlich stark angeschlagen. Hatte Angst zu sterben und davor, dass der Krebs wiederkommt. Bei jedem Pickel hatte ich den Verdacht, dass das wieder ein maligner Prozess ist, bei jedem Halsschmerz die Frage, ob da wieder etwas Neues gewachsen ist. Da wäre der Austausch mit Menschen, die das hinter sich haben und das überlebt haben, sehr hilfreich gewesen. Ich habe dann im Internet gesucht und eine Gruppe gefunden und bin nach Frankfurt gefahren zu einem persönlichen Treffen. In Köln gab es das nicht, also habe ich hier selbst eine Selbsthilfegruppe gegründet.“

Vortrag und Austausch: Ablauf einer Selbsthilfegruppen-Sitzung

Neben dem emotionalen Austausch und fachlichen Vorträgen gilt es in den Sitzungen vor allem das Gefühl zu vermitteln, dass niemand in dieser Situation allein ist.

In Dirk Rohdes Gruppe variieren die Sitzungen inhaltlich: „Ich lade öfter Ärzte für einen Vortrag ein. Das können HNO-Ärzte, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen oder Komplementär-Mediziner sein. Einmal kam der erste Vorsitzende des Vereins Stark gegen Krebs. Doch meistens treffen wir uns einfach zum Austausch. Hier bekommt jeder die Möglichkeit, von seiner Situation zu erzählen. Daraus ergibt sich meist von allein ein reger Austausch, sodass ich für gewöhnlich nur noch die Position des Moderators einnehme. So werden zwei bis drei Stunden leicht gefüllt. Für eine Sitzung finde ich persönlich 10-15 Personen optimal, damit man zu einer homogenen Gruppe wird und jeder zu Wort kommt.“

Selbsthilfe während Corona

Große Herausforderungen für die Organisation der Selbsthilfegruppen gab es seit Anfang der Pandemie. Die Patientinnen und Patienten konnten seltener teilnehmen, da sie durch die Erkrankung zu einer Risikogruppe gehören und eine (lebensgefährliche) Ansteckungsgefahr fürchteten. Darüber hinaus waren Online-Sitzungen aufgrund des höheren Alters vieler Mitglieder schwer umsetzbar.

Dirk Rohde fasst die schwierige Zeit für die Kölner Selbsthilfegruppe so zusammen: „Für Menschen kurz nach der Therapie, die alleine sind, hat sich die Einsamkeit potenziert innerhalb der Corona-Zeiten. Es gab zudem Fälle, in denen man Operationstermine verschoben hat, um Betten freizuhalten. Der Wunsch, dass wir uns dennoch treffen, wurde an mich herangetragen. Es gab dann eine Ausnahme für Treffen medizinischer Selbsthilfegruppen, sodass wir uns zumindest alle paar Monate sehen konnten.“

Sie sind auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe?

Es gibt deutschlandweit zahlreiche Anlaufstellen für Krebserkrankte. Wenn Sie oder ein Ihnen geliebter Mensch erkrankt sind, dann können Sie beispielsweise folgende Organisationen kontaktieren:

Über Dirk Rohde

Dirk Rohde alias Don ist leidenschaftlicher Polizist und erfolgreicher Krebsblogger. Nach der Behandlung seiner Krebserkrankung begann er auf Facebook und Instagram seine Erlebnisse niederzuschreiben und erreicht mittlerweile ein sehr großes Publikum. Seit 2017 hat er seine Tätigkeit als Motorradpolizist wieder aufgenommen.

In seiner Freizeit widmet er sich mit Leib und Seele mehreren ehrenamtlichen Tätigkeiten: Er ist als Patientenbetreuer aktiv im Kopf-Hals-Mund-Krebs e. V. und bietet regelmäßig Erkrankten und ihren Angehörigen Gespräche zur Verarbeitung an. Zudem hilft er als zertifizierter isPO-Onkolotse Menschen, die erstmalig mit der Krebsdiagnose konfrontiert sind, mit Gesprächen und weiterführenden Hilfsprogrammen. So können die Betroffenen die Erkrankung aus psychosozialer Ebene besser bewältigen. Neben der Leitung der Selbsthilfegruppe Köln macht Dirk Rohde vor allem auch den kleinen Patientinnen und Patienten Mut und lenkt sie vom anstrengenden Klinikalltag ab: Er setzt sich seit mehreren Jahren stark für die Kinderkrebshilfe ein.

Zu seinen aktuellen Projekten gehört u. a. die Wanderausstellung „HPV hat viele Gesichter“, die vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg am 13.09.2021 eröffnet wurde. Zurzeit ist die Ausstellung in xxx zu sehen.

Mehr zu Dirk Rohde können Sie hier lesen:

  1. Interview: Schockdiagnose Krebs: Plötzlich Krebsblogger
  2. Interview: Krebspatienten hilft das Gespräch auf Augenhöhe

Von Beginn an arbeiten und forschen immer wieder Studierende der Biologie, Biochemie, Biotechnologie und zurzeit auch Bioinformatik in unserem Team mit. Mittlerweile konnten wir mehr als zehn Abschlussarbeiten betreuen. Vier Mitarbeiterinnen fanden über eine solche Zusammenarbeit ihren festen Platz in unserem Unternehmen. Durch den frischen Input der Studierenden bleiben wir an aktuellen Wissenschaftstrends und Forschungsthemen dran. Gleichzeitig können wir die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von morgen in ihrem Werdegang unterstützen.

So zuletzt unsere Mitarbeiterin Dr. Carolin Dippmann. 2017 fragte sie uns an, ob wir für ihre Promotion in Biotechnologie mit der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena kooperieren würden. Damit waren wir natürlich gern einverstanden. Vor kurzem schloss sie nach vier Jahren ihre Promotion ab.

Im Folgenden verrät sie, um was es dabei ging.

Carolin, du hast deine Dissertation zum Thema „Biologie der Marker“ geschrieben, was genau verbirgt sich dahinter?

Krebs zeichnet sich u. a. durch ein verändertes DNA-Methylierungsmuster aus. Das heißt Krebsgewebe zeigt in bestimmten DNA-Abschnitten (diese können je nach Krebsentität unterschiedliche sein) eine chemische Veränderung der Erbinformation (DNA-Methylierung).

Ziel meiner Arbeit war es, diese Veränderungen im Bereich der GynTect® Marker explizit den Krebszellen bzw. entarteten Zellen in den Krebsvorstufen zuzuweisen. Dazu habe ich in Gewebeproben von Patientinnen die Tumorzellen von umliegenden Zellen separiert. Beide Proben untersuchte ich dann getrennt voneinander hinsichtlich ihrer chemischen Modifikation mit Hilfe der Methode der Next Generation Sequenzierung.

Was ist das Besondere an der Next Generation Sequenzierung?

Die Next Generation Sequenzierung ist eine Form der DNA-Sequenzierung. Sie zeichnet sich durch eine parallele Sequenzierung einer sehr großen Anzahl von DNA‑Molekülen, einer geringen Fehlerrate und extremen Datentiefe aus. Durch Anwendung dieser Methode war eine Untersuchung auf tiefstem molekularen Niveau möglich – eine Einzelsequenzanalyse.

Wie bist du auf die oncgnostics als Kooperationspartner für deine Promotion gekommen?

Eine Bekannte berichtete mir von der oncgnostics GmbH und dem Arbeitsgebiet der Firma. Sie hatte in einem Vortrag u. a. gehört, dass hier in Kooperation mit der Klinik für Frauenheilkunde schon einmal ein Stipendium über die Thüringer Aufbaubank (TAB) für eine Doktorandenstelle vergeben wurde. Wie das genau ablief, durfte ich neulich in einem Interview mit der TAB erzählen. Daraufhin nahm ich Kontakt auf und habe angefragt, ob diese Möglichkeit erneut besteht und ob ein Forschungsthema offen sei. Die Chemie hat gestimmt und es wurden die nötigen Schritte für die Schaffung der Doktorandenstelle in die Wege geleitet.

Was hat dich an dem Forschungsbereich fasziniert?

Das Thema Gebärmutterhalskrebs fand ich sehr interessant. Es ist thematisch nah am Menschen und man kann mit dem Begriff etwas anfangen. Vor allem konnte ich durch meine Arbeit einen weiteren Beitrag im Zusammenhang mit dieser Erkrankung liefern.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich bleibe im Unternehmen und beschäftige mich als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit weiteren Pipeline-Projekten. Außerdem arbeite ich gemeinsam mit unserer nächsten Doktorandin an der Implementierung der Methode der „Oxford Nanopore Sequenzierung“, auch Third Generation Sequencing genannt, im Labor.

 

Vielen Dank für das Gespräch liebe Carolin! Wir gratulieren auf diesem Weg noch einmal herzlich zur erfolgreichen Promotion und freuen uns, dass du deinen Weg in unsere Reihen gefunden hast.

Wer ebenfalls Interesse an einer Kooperation hat, setzt sich gern mit unserer Geschäftsführung in Verbindung. Hier geht’s zum Kontaktformular.

 

Titelbild: Susanna Viehmann, Thüringer Aufbaubank

YES!CON

Am 18. und 19. September 2021 findet die zweite YES!CON in Berlin statt. Die größte Krebs-Convention fördert die Kommunikation unter Betroffenen und schafft mehr Aufmerksamkeit für das Thema Krebs. Wir haben uns mit Geschäftsführer Jochen Kröhne über das Event unterhalten und herausgefunden, welche Chancen es für Betroffene und Angehörige birgt.

Herr Kröhne, Ziel der YES!CON ist es, das Thema Krebs in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Woran liegt es, dass dies heute noch nicht der Fall ist? Warum ist es so schwer, über Krebs zu sprechen?

Jochen Kröhne: „Es hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert, aus unserer Sicht zum Positiven. Krebs ist heutzutage weniger ein Tabuthema. Jedoch ist es oft noch mit Scham behaftet und teilweise mit der Angst, berufliche und persönliche Nachteile zu erleben. Statistisch gesehen erkrankt in Deutschland jeder zweite Mensch an Krebs1 und jährlich sind eine halbe Million Menschen betroffen. Diese Zahlen sind in der Gesellschaft noch nicht überall präsent. Dies deutet darauf hin, dass die Leute nicht offen damit umgehen. Wir setzen uns deswegen dafür ein, das Thema Krebs in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Auf der YES!CON geht es hauptsächlich um Patient Empowerment und darum, dass niemand schuld an seiner Krankheit ist. Die Teilnehmenden werden ermutigt, selbstbewusst mit der Krankheit umzugehen.“

Themenschwerpunkt in diesem Jahr ist „Leben mit Krebs“. Welche Infos und Formate erwarten Betroffene und Interessierte bei der YES!CON?

Jochen Kröhne: „Die Palette ist breit und dreht sich rund um das Leben mit Krebs. Wir sträuben uns zudem nicht vor dem Thema „Sterben durch Krebs“: Wie sieht es mit Hospitalisierungs-Angeboten aus? Wie geht man damit um, wenn Menschen austherapiert sind und es nun keine weiteren Optionen gibt? Es gibt auch viele Themen für Familien und zur Forschung, wie Impfungen. Das ist beispielsweise bei Gebärmutterhalskrebs eine tolle Sache, dass es eine Impfung gibt. Und andere mRNA-Stoffe haben auch die große Chance, Krebs zu bekämpfen. Dadurch kann man perspektivisch aggressiven Chemotherapien vorbeugen.“

Die YES!CON stieß im letzten Jahr auf eine große Resonanz. Was sind die Erwartungen für dieses Jahr?

Jochen Kröhne: „Die YES!CON findet dieses Mal vor Ort mit Hygienekonzept statt. Wir hoffen natürlich vor Ort und vor allem online auf mehr Publikum. Es war uns jedoch von Anfang an ein Anliegen, die YES!CON hybrid zu veranstalten. Nicht alle Krebserkrankte können teilnehmen und deswegen bieten wir einen Stream an. Es kann sich jeder barrierefrei anmelden. Darüber hinaus kann man über die YES!App Fragen an Moderatoren einstellen und live mit ihnen interagieren. 2022 werden wir hoffentlich noch mehr Gäste reinlassen und noch mehr Panels anbieten dürfen. Dabei zählen wir stets auf die Unterstützung von prominenten Gästen. Wir haben zum Beispiel Jens Spahn als Schirmherr der Veranstaltung gewonnen. Die Idee ist, dass nicht nur Fachleute kommen, sondern auch Mutmacher und Personen, die politisch und gesellschaftlich aktiv sind. Der Kern der Message soll sein, dass man nicht allein ist.“

À propos Prominente: Sie arbeiten viel mit Influencern zusammen, unter anderem mit Myriam von M, mit der wir auch kooperieren. Was können Betroffene aus Ihrer Sicht am besten vermitteln?

Jochen Kröhne: „Es gibt Menschen, die nicht über ihre Krebserkrankung reden wollen. Und es gibt wiederum Menschen, die das Bedürfnis haben zu reden und anderen Menschen zu helfen. Blogger und Influencer sind so erfolgreich, weil betroffene Leute sich mit ihnen identifizieren können. Es gibt aber auch Prominente, die indirekt betroffen sind. Wie Stefanie Giesinger, Joko Winterscheidt und Tim Mälzer. Wir laden Prominente generell nicht ein, weil sie prominent sind. Sie müssen zur Krankheit einen persönlichen Bezug haben. Ansonsten können sie nicht empathisch und authentisch darüber sprechen.“

Wir von oncgnostics versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass mehr über Krebserkrankungen gesprochen wird. Wir wissen, dass Aufklärung und Wissen über die Krankheit zentral sind, damit z. B. Patienten im Fall einer Erkrankung frühzeitig eine Diagnose bekommen. Was ist der Wunsch der YES!CON-Veranstalter an uns als Unternehmen, um das Thema Krebs weiter zu enttabuisieren?

Jochen Kröhne: „Wir müssen mehr über Krebs sprechen, um vor allem auf Vorsorgeprogramme aufmerksam zu machen. Eine Krankheit wird behandelt, doch vieles hätte man durch eine frühzeitige Erkennung verhindern können. Das wäre das Allerbeste für alle Krebsarten. Dafür muss diese Krankheit in der Gesellschaft breitflächig thematisiert werden und dafür ist meiner Meinung nach jedes Mittel recht. Ob Emotionen oder Comedy, die Leute sollen abgeholt werden. Wir bekamen schon Kritik wie: „Ihr macht das mit Promis und setzt auf Lifestyle.“ Genau, denn damit erreichen wir junge Menschen und sensibilisieren sie für ein Thema, das sie noch nicht tangiert. Damit kann man das Thema „Krebs“ schneller enttabuisieren, für Aufklärung sorgen und zur Vorsorge bewegen.“

Wer die Veranstaltung verfolgen möchte, kann dies kostenlos online tun: Am 18. und 19. September 2021 über die Website www.yescon.org. Vielen Dank an Herrn Kröhne für das informative Gespräch!

 

[1] Robert Koch Institut (2017): Krebs in Deutschland für 2013/2014, S. 19

Rezidivverdacht Claudia Braunstein

Vor einem Rezidiv hatte ich zwar nie direkt Angst, aber das Thema schwebte schon im Hinterkopf herum. Schließlich wusste ich, dass ein Plattenepithelkarzinom sehr rezidivanfällig ist. Mein Name ist Claudia Braunstein, 2011 überlebte ich Krebs am rechten Zungenrand. Drei Jahre später sah ich mich plötzlich mit einem Rezidivverdacht konfrontiert – der Krebs war möglicherweise zurückgekehrt. An dieser Stelle möchte ich meine Erfahrung in einem Gastbeitrag teilen.

Es traf mich völlig unvorbereitet. Ich bin ein Mensch, der gerne zur Nachsorge geht, da das für mich immer eine Bestätigung ist, dass alles in Ordnung ist. Ich hatte auch keinerlei Beschwerden und ging eben alle drei Monate zum MRT. Beim Nachgespräch mit meiner Ärztin, die mich schon durch meine Krankenzeit begleitete, merkte ich sofort, dass etwas anders ist. Dann sagte sie den Satz: “Es tut mir leid, wir müssen etwas Ernsthaftes besprechen. Wir haben etwas gefunden, das da nicht hingehört.” Ich wurde dann direkt in die Kieferchirurgie überwiesen.

Die Empfangsdame schaute mich an, als wäre ich bereits gestorben. Das Behandlungszimmer war voller Ärzte mit ernsten Gesichtern. Ich bat sie gleich darum, nicht herum zu schwafeln. Ich bin ein sachlicher Mensch, ich kann mit Klartext umgehen.

Ein Rezidiv passt zeitlich gerade gar nicht

Spannend war für mich selbst, was der Verdacht eines Rückfalls mit mir als Patientin gemacht hatte. Ich saß danach im Auto und habe erst einmal geheult. Denn wenn es das sein sollte, was die Ärzte vermuten, dann ist es in einem Teil meines Unterkiefers. Ich hätte eine ähnliche Prozedur wie bei meiner ersten Diagnose zu überstehen, nur mit fataleren optischen Auswirkungen in meinem Gesicht. Ich hatte nicht direkt Angst. Ich wusste, ich hatte das schon einmal überlebt und kann das noch ein zweites Mal schaffen. Ich war richtig zornig.

“Das passte zeitlich überhaupt nicht!”, dachte ich mir. Als würde sowas irgendwann passen. Aber meine Tochter bereitete gerade ihre Hochzeit vor, ich stand kurz vor dem Abschluss meiner psychoonkologischen Ausbildung, außerdem hatte ich noch eine Reise vor.

Pragmatischer Modus: Ich brauche einen tollen Fotografen

Noch im Auto habe ich nicht gehadert, sondern sofort Pläne entwickelt. Mein erster verrückter Gedanke war: Ich muss einen Termin bei einem tollen Fotografen machen. So schön werde ich nie wieder sein! Es ging ja um meinen Unterkiefer. Die Hochzeit meiner Tochter müsste verschoben werden und ich könnte den Vortrag für meinen Abschluss ja jetzt schon per Video aufzeichnen. Das ließe sich ja mit den Verantwortlichen besprechen.

Lange Zeit der Abklärung und Kontrolle

Ein knappes halbes Jahr wurde ich dann sehr engmaschig kontrolliert. Insgesamt hatte ich drei Biopsien. Eigentlich war nach der ersten bereits klar, dass es nicht bösartig ist. Schließlich hatte sich herausgestellt, dass ich durch meine vorangegangene Behandlung einen permanenten Zug auf den Zungenmuskel habe und sich dadurch eine Entzündung entwickelt hat. Der Rezidivverdacht bestätigte sich zum Glück nicht.

Es zeigt sich, wie wichtig Nachsorge ist

Ich bin mental so eingestellt, dass mir nichts Negatives mehr passieren kann. Ein Rezidiv würde nicht lustig werden, aber bringt mich auch nicht um. Ich bin da ein ganz sachlicher Typ und habe das Gefühl, ich wüsste ja, was auf mich zukommen würde. Ich habe meine Situation akzeptiert.

Obwohl ich durch den Rezidivverdacht eine aufreibende Zeit erlebte, bin ich nicht wütend, unnötig beunruhigt worden zu sein. Im Gegenteil: Für mich hat sich die Wichtigkeit der Nachsorge herausgestellt. Denn ich hatte ja keine Beschwerden. Wäre es etwas Ernsthaftes gewesen, wäre es rechtzeitig erkannt worden.

 

Fotos im Titel: privat; R.E.S Photo

Krebsvorsorge in Spanien und Portugal

Wie wird die Krebsvorsorge in anderen Ländern organisiert? Wir reisen in diesem Blogbeitrag nach Portugal und Spanien. Bereits in unserem Beitrag „Cervical Cancer Prevention Atlas: Deutschland nur auf Platz 12“ berichteten wir über die Gebärmutterhalskrebsvorsorge in Deutschland und wie diese im europaweiten Vergleich abschneidet. Im Ranking des European Parliamentary Forum for Sexual & Reproductive Rights (EFP) wurden die Vorsorgemaßnahmen in 46 europäischen Ländern verglichen.

Portugal: Platz 17

In Portugal besteht bei rund fünf Millionen Frauen ab 15 Jahren das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Dies entspricht knapp der Hälfte der Bevölkerung. Jährlich sind rund 750 Frauen (also 0,02 Prozent aller Frauen in Portugal) von der Diagnose betroffen, etwa halb so viele Personen sterben an der Krankheit.[1] Gebärmutterhalskrebs ist in Portugal die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Schätzungsweise 5,6 Prozent der Frauen in der portugiesischen Allgemeinbevölkerung weisen zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben eine zervikale HPV-Infektion auf, welche auf Gebärmutterhalskrebs hinweisen kann.

Die gute Nachricht: Das 2008 eingeführte Impfprogramm ist erfolgreicher als in Deutschland (Quote bei über 80 Prozent). Doch gibt es in Bezug auf das Screening noch deutliche Defizite. Die jährliche Rate der Pap-Abstriche unter den 25- bis 64-jährigen Frauen liegt gerade einmal bei 54,8 Prozent. Zudem wird die HPV-Problematik vor allem in ländlichen Regionen kaum ernst genommen. So müssen Frauen mit einem positiven HPV‑Befund oftmals mehrere Monate auf eine gynäkologische Nachuntersuchung warten.

Spanien: Platz 25

In Spanien wird jährlich bei fast 2.000 Frauen Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert – 825 Erkrankungsfälle enden leider tödlich[2]. Gebärmutterhalskrebs rangiert auf Platz 15 der häufigsten Krebsarten bei Frauen in Spanien und ist die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Schätzungen zufolge haben 2,7 Prozent aller spanischen Frauen zu einem bestimmten Zeitpunkt eine zervikale HPV‑Infektion mit den zwei Viren, die am häufigsten Krebs auslösen.

Ähnlich wie in Portugal ist die HPV-Impfquote in Spanien im Vergleich zu Deutschland höher (über 70 Prozent). Jedoch bekommt auch Spanien in Bezug auf das Screening-Programm deutliche Abzüge: Nur 60,3 Prozent der Frauen zwischen 15 und 44 Jahren machen alle drei Jahre einen Pap-Abstrich. Im Jahr 2018 hat das spanische Gesundheitsministerium angeordnet, dass bei Frauen alle fünf Jahre ein HPV-Test durchgeführt werden soll. Bisher setzen jedoch nur sehr wenige Regionen dieses Screening-Programm um[3].

Aufmerksamkeit für Frauengesundheit muss in ganz Europa geschaffen werden

Gebärmutterhalskrebs ist die neunthäufigste Krebserkrankung bei den Frauen in Europa. Jährlich sterben europaweit fast 26.000 Frauen daran. Davon werden 3.500 Fälle in Südeuropa gemeldet[4]. Diese Zahl ist im Vergleich zu Osteuropa (über 16.000) weniger gravierend. Dennoch können und sollten diese hohen Todeszahlen in ganz Europa mit mehr Aufklärungsarbeit, Vorsorgemaßnahmen und effizienten Impfkampagnen gesenkt werden.

In Spanien und Portugal wird unser Früherkennungstest GynTect® bereits vertrieben. Unsere internationalen Partner führen hierzu aktuell mehrere Studien durch.

Titelbild: ©TomTom/ Pixabay

 

[1] https://hpvcentre.net/statistics/reports/PRT_FS.pdf?t=1627551367706

[2] https://hpvcentre.net/statistics/reports/ESP_FS.pdf?t=1627551379599

[3] https://www.hpvworld.com/articles/fact-sheet-spain-www-hpvcentre-net-human-papillomavirus-and-related/

[4] https://hpvcentre.net/statistics/reports/XEX.pdf?t=1627551865306

Als Biotechnologie-Unternehmen forschen wir seit 2012 auf molekularbiologischer Basis an der Diagnostik von Krebserkrankungen. Wir beschäftigen uns mit epigenetischen Markern, mit deren Hilfe wir Krebserkrankungen wie zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs bereits in ihren Vorstufen erkennen können. Was sich hinter den Begriffen der „Epigenetik“ und „Epigenetischer Marker“ verbirgt, erklärt der folgende Beitrag.

Epigenetik – Was ist das?

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der vererbbaren, genetischen Modifikation der DNA. Diese passiert, ohne dass sich die DNA in ihrer Sequenz ändert. Der Begriff setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „epi“ ist griechisch für „dazu“ oder „darüber“ und „Genetik“. Das Fachgebiet beschäftigt sich entsprechend mit der Ebene oberhalb der Genetik. Für unsere Arbeit bedeutet dies, dass wir uns nicht der DNA-Sequenz widmen, die für die Kodierung der Gene entscheidend ist. Vielmehr legen wir unser Augenmerk auf die chemische Veränderung der DNA.

Um zu verstehen, was sich dahinter konkret verbirgt, ist eines wichtig zu wissen: Jeder Mensch besitzt ein Genom, aber viele Epigenome – je nach Zelltyp. Die Epigenome wiederum werden durch die Umwelt, Lebensumstände oder auch Ernährungsgewohnheiten beeinflusst und verändert. Wie Schalter einer Zelle bestimmen sie, welche Gene bzw. Genabschnitte verwendet und welche abgeschaltet werden. So lässt sich beispielsweise erklären, warum eineiige Zwillinge in Nuancen unterschiedlich aussehen. Oder warum nur ein Geschwisterkind eine Krankheit bekommt, obwohl beide genetisch identisch sind. Auf molekularbiologischer Ebene sind dafür sogenannte epigenetische Marker verantwortlich.

Epigenetische Marker zeigen, wann Zellen an- und ausgeknipst werden

Bleiben wir beim Bild des Epigenoms als Schalter, der Teile eines Genoms stumm schaltet. Die epigenetischen Marker sind dann die Markierungen, die den genauen Abschnitt bestimmen. Dies geschieht unter anderem in Form von Methylierungen. Dabei docken kleine Moleküle, sogenannte Methylgruppen, an einen DNA-Strang an. Sie verhindern, dass eine benachbarte Gensequenz abgelesen und in ein Protein übersetzt wird. Der Genabschnitt bleibt stumm.

Epigenetik und Krebs

Bestimmte Ausprägungen der oben beschriebenen epigenetischen Veränderungen können die Funktion von Zellen so umprogrammieren, dass sie sich zu Tumorzellen entwickeln. Auf diese Weise entsteht beispielsweise Gebärmutterhalskrebs.

Hier setzt unsere Forschungsarbeit an. Wir identifizieren epigenetische Marker, die bei Krebserkrankungen auftreten, speziell DNA Methylierungen. Unsere Tests sollen diese Marker möglichst früh nachweisen können. Denn für jede Krebstherapie gilt: Je eher sie ansetzt, desto höher sind die Heilungschancen. Unser erster Diagnostiktest GynTect® basiert auf sechs dieser DNA-Methylierungsmarker. Er wird bereits erfolgreich in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge eingesetzt.

Ein Großteil der Frauen, die in einkommensstarken Ländern wie Deutschland an Gebärmutterhalskrebs erkranken, ist nicht regelmäßig zur Vorsorge gegangen. Das ist besonders alarmierend, da Krebsvorsorgeuntersuchungen seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich seltener wahrgenommen werden. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Biotechnologieunternehmen oncgnostics GmbH prüft Selbsttests als mögliche Lösung, um mehr Personen zu erreichen. Denn auch für Gebärmutterhalskrebs gilt, dass bei früher Erkennung die besten Heilungschancen bestehen. Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass spezifische Vorsorgeuntersuchungen zukünftig von Zuhause aus durchführbar sein können.

Ablauf der Pilotstudie

Für die Studie nahmen 87 Patientinnen der Hannoveraner Kolposkopie-Klinik jeweils einen Abstrich bei sich selbst. Eine gynäkologische Fachkraft nahm anschließend einen weiteren Abstrich. Im ersten Schritt wurden die Proben auf vorliegende HPV-Infektionen getestet. Der Gebärmutterhalskrebstest GynTect von oncgnostics kam im zweiten Schritt bei allen Proben zum Einsatz. Dieser klärt ab, ob die vorliegende HPV-Infektion von allein ausheilt oder sich zu Krebs weiterentwickeln kann. Dafür ist kein weiterer Abstrich notwendig. Der Test wird mit der vorliegenden Probe im Labor durchgeführt.

Bei 95,5 Prozent der Selbstabstriche stimmte das Ergebnis der HPV-Tests mit denen der Proben überein, die von den Ärztinnen und Ärzten entnommen wurden. Das wird als gutes Zeichen dafür gewertet, dass Frauen für diesen Test zukünftig selbst die Proben nehmen könnten. Für den GynTect-Test war die Übereinstimmung zwischen den Selbsttests und den ärztlichen Proben niedriger.

Nachweise mit eigenständig entnommenen Proben können funktionieren

„GynTect funktioniert über spezifische Biomarker. Er untersucht die DNA der Zellen eines Abstrichs und schlägt Alarm, wenn krebstypische Veränderungen vorliegen. Die Studie legt nahe, dass Krebsvorstufen sowie -erkrankungen auch mit eigenständig genommenen Proben gut nachgewiesen werden können. Natürlich muss die Methode weiter optimiert werden, um die Trefferquote zu erhöhen. Zurzeit arbeiten wir außerdem daran, die Marker in Urinproben nachweisen zu können. Dabei erhalten wir vielversprechende erste Ergebnisse. Zudem sind Urinproben für die Patientin deutlich einfacher zu nehmen als Abstriche“, erklärt Martina Schmitz, Geschäftsführerin der oncgnostics GmbH und Co-Autorin der Studie.

Großangelegte Studie „HaSCo“ folgt

Für die weitere Forschung und Entwicklung zu den Selbsttests kooperiert das Biotechnologieunternehmen aus Jena weiter mit der Medizinischen Hochschule Hannover. Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse der Pilotstudie wird GynTect in der folgenden, großangelegten Studie „HaSCo“ als Abklärungstest bei HPV positiven Selbsttest eingesetzt1. Die Studie wird noch in diesem Jahr starten und über 20.000 Probanden einschließen. Zudem kooperiert die oncgnostics GmbH mit zwei Forschungseinrichtungen in den Niederlanden und Belgien.

Fast jeder Erwachsene infiziert sich irgendwann im Leben mit HPV, ohne es zu merken. Schätzungen zufolge sind in Deutschland jährlich sechs Millionen Frauen mit HPV infiziert. Jedes Jahr werden bei mehreren Hunderttausend von ihnen Auffälligkeiten diagnostiziert. Bei etwa 4.300 Personen entwickelt sich eine Krebserkrankung, an der wiederum etwa 1.600 Betroffene sterben2.

 

Quellen

[1] Medizinische Hochschule Hannover (2021): Klinische Studien. Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Online unter: www.mhh.de/fileadmin/mhh/frauenheilkunde-geburtshilfe/downloads/Broschueren_Flyer/Klinische_Studien.pdf

[2] Robert Koch-Institut (2017): Zentrum für Krebsregisterdaten. Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Online unter: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Gebaermutterhalskrebs/gebaermutterhalskrebs_node.html

 

Titelbild: MIA Studio / Shutterstock.com

Fruchtbarkeitstracker, digitale Beckenbodentrainer und Gentests, die die Wahrscheinlichkeit von Endometriose vorhersagen – die Beispiele für sogenannte FemTech-Produkte sind vielfältig. Ihr gemeinsames Ziel ist es, überfällige Tabus zu brechen. Themen wie die Gesundheit von Frauen, die Periode und weibliche Sexualität sollen die verdiente Aufmerksamkeit erhalten. Auf der Basis von intelligenten Technologien, eleganten Designs und cleverer Vermarktung liefert die FemTech-Branche smarte Lösungen für frauenspezifische Gesundheitsanliegen.

Der Begriff „FemTech“ beschreibt HighTech und Apps, die sich spezifisch an die weibliche Gesundheit richten. Er wurde erstmals von Ida Tin genutzt, die als Gründerin die App Clue mitentwickelte. Die App analysiert den individuellen Zyklus und möchte so z. B. Frauen mit Kinderwunsch helfen, schwanger zu werden.

Zurzeit erfährt die FemTech-Branche einen regelrechten Boom. Und das ist auch richtig so. Immerhin ist die Hälfte der Bevölkerung weiblich (kleine, freundliche Erinnerung 😉). Ihr Anteil in der medizinischen Forschung ist hingegen noch ausgesprochen niedrig.

Frauenkörper ticken anders

Laut der Analysefirma Pitchbook sind lediglich vier Prozent der gesamten Forschung und Entwicklung speziell auf die Gesundheit von Frauen ausgerichtet1. Zeitgleich werden die meisten medizinischen Studien mit männlichen Probanden durchgeführt. Das führt bis heute dazu, dass Medikamente für Frauen teilweise weniger wirksam oder falsch dosiert sind. Auch Fehldiagnosen sind keine Seltenheit. Beispielsweise weichen die Anzeichen eines Herzinfarkts bei Frauen stark von den „typischen“ Symptomen bei Männern ab und werden daher oft nicht erkannt.

Doch nicht nur im biologischen Aufbau unterscheiden sich Frauen- und Männerkörper voneinander. Vielmehr gehen sie ihre Gesundheit auch mit einem anderen Bewusstsein an. Entsprechend sinnvoll scheint es, die Gesundheitsversorgung geschlechterspezifisch auszurichten. FemTech Entwicklerinnen und Entwickler haben dies erkannt und sorgen mittlerweile für einen lebhaften und nötigen Aufschwung in der Medizin.

Boom des FemTech-Markts und weibliche Kaufkraft

Der FemTech-Markt ist mit seinen technologischen Angeboten für die Frauengesundheit noch jung und bislang unterfinanziert. Allerdings profitiert er stark vom Trend zur digitalen Medizin. Erste Prognosen zeigen, dass der Markt 2025 bereits einen Wert von 50 Milliarden US-Doller haben könnte. Das wird dadurch unterstützt, dass Frauen im Vergleich zu Männern pro Person fast 30 Prozent mehr für gesundheitliche Produkte und Dienstleistungen ausgeben. Die weibliche Kaufkraft sollte entsprechend nicht unterschätzt werden2.

Dennoch ist es für FemTech-Unternehmen oft schwer, sich im Markt zu etablieren. Das liegt u. a. am hohen Anteil männlicher Investoren. Sie bringen weniger Verständnis für Themen der Frauengesundheit auf und können den Mehrwert einzelner Produkte nicht richtig einschätzen. Besserung ist jedoch in Sicht: Mit einer zunehmenden Anzahl von Investorinnen steigen auch die Geldanlagen für FemTech-Startups langsam.

Gewinn für die Frauengesundheit

Gesundheit von Frauen ist für uns alle wichtig, unabhängig von unserem Geschlecht. Ganz einfach deshalb, da geschlechterspezifische Medizin Gesundheitskosten insgesamt senkt und vorhandene Gelder besser eingesetzt werden können.

Mittlerweile gibt es weltweit über 200 von Frauen gegründete und geleitete Startups und Unternehmen, die Frauengesundheit mit Digital Health Technologien verbinden. Indem ihre Ideen und Produkte flächendeckend gefördert werden, könnten FemTech-Produkte schrittweise immer mehr in die digitale Gesundheitsversorgung und -vorsorge eingebunden werden. Gleichzeitig könnten die gewonnenen Daten für Forschungsprojekte dienen und FemTech-Nutzerinnen für die Teilnahme an klinischen Studien rekrutiert werden.

 

Quellen

[1] PitchBook Analyst Note (2020): Femtech Expected to Break New Grounds. Segmenting the rapidly growing femtech venture space. Online unter: www.pitchbook.com/news/reports/q3-2020

[2] Korte, L. (2021): Femtech – Genderspezifische Versorgung mit großem Marktpotenzial. Online unter: www.atlas-digitale-gesundheitswirtschaft.de/femtech-genderspezifische-versorgung-mit-grossem-marktpotenzial

 

Titelbild: sdecoret/Shutterstock.com